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Linse Freispiel

Neben unseren festen Filmreihen zeigen wir selbstverständlich auch Filme zu anderen Anlässen und gerne in Kooperation mit anderen Gruppen. Diese Filme laufen nicht nur im Cinema sondern auch an anderen Orten.

Im Moment sind in der Reihe „Linse Freispiel“ keine Veranstaltungen geplant. 

Die vergangenen Veranstaltungen siehe im Archiv.

 

Zur Ausstellung „Wahrheit und Lüge“ in der Erphokirche

Der Student von Prag

Was ist die Wahrheit?

Das erste Remake des Klassikers von 1913 folgt weitgehend dem Originaldrehbuch von Hanns Heinz Ewers.

Prag 1820: Der Student Balduin verkauft sein Spiegelbild an den geheimnisvollen Wucherer Scapinelli. Fortan führt er ein Leben in Saus und Braus und erobert das Herz der Komtesse Margit. Als deren Verlobter, Freiherr Waldis-Schwarzenberg, davon erfährt, fordert er Balduin zum Duell. Balduin verspricht Margit und ihrem Vater, das Leben seines Gegners zu schonen, doch das Spiegelbild nimmt an seiner Statt am Duell teil und tötet den Freiherrn. Balduins Freunde, auch Margit, wenden sich von ihm ab. In seiner Verzweiflung zerschießt er den Spiegel mit seinem Spiegelbild – doch auch Balduin sinkt, ins Herz getroffen, zu Boden.

»Anders als der Originalfilm wurde das Remake nicht an Originalschauplätzen gedreht, sondern in Bauten des Filmarchitekten Hermann Warm. Diese setzte Kameramann Günther Krampf stimmungsvoll in Bilder, die wiederum von Motiven der deutschen Romantik beeinflusst waren. Die eingefärbte Rekonstruktion des Filmmuseums München verfügt über die handgemalten expressiven deutschen Zwischentitel.« (Katalog Int. Stummfilmtage Bonn 2020)

»Man ahnt (bei Veidt) von Anfang an Böses hinter dieser überheizten Energie der mühsam zusammengehaltenen Züge: Es ist, als ob ein wildes Pferd unter der Kandare zuckend stillhielte. Und als der Sturm losbricht, ist es wahrhaftig die tiefe Verstörtheit dessen, der sich verloren hat und nicht mehr finden kann, der sich immer ganz nahe, zum Greifen nahe vor sich sieht und doch nicht mit Händen fassen kann, was aus diesen verstörten Zügen spricht. Es ist seine erste wahrhaft künstlerische Tat seit vielen Jahren.« (Willy Haas, Film-Kurier, Nr. 251, 26.10.1926)

Deutschland 1926 · R: Henrik Galeen · Db: Henrik Galeen, Hanns Heinz Ewers · K: Günther Krampf • Mit Conrad Veidt (Balduin, ein Student), Werner Krauss (Scapinelli, ein Wucherer), Fritz Alberti (Reichsgraf von Schwarzenberg), Agnes Esterhazy (Margit, seine Tochter), Elizza La Porta (Lyduschka, ein Blumenmädchen), Ferdinand von Alten (Freiherr v. Waldis-Schwarzenberg), Erich Kober, Max Maximilian (Studenten) u.a. · stumm · 133′

Mo 30. März • 19:30 Uhr
Am Klavier live begleitet von Richard Siedhoff
Erphokirche, Ostmarkstraße/Kirchstraße, 48145 Münster
Eintritt 22 €, ermäßigt 15 €

Wir empfehlen warme Kleidung und ein Sitzkissen mitzubringen!

Der Weimarer Komponist und Stummfilmmusiker Richard Siedhoff begleitet seit 2008 mehr als 300 Stummfilme live am Klavier, stützt sich dabei auf Eigenkompositionen, die er mit konzipierten Improvisationen verbindet. Konzertreisen führten in bereits auf zahlreiche internationale Festivals. Darüber hinaus komponiert Siedhoff vermehrt Stummfilmmusiken für Orchester und Kammerensembles. Zahlreiche seiner Einspielungen sind auf DVD und Bluray zu finden. Er ist Hauspianist im Lichthaus Kino Weimar, dessen Stummfilmprogramm er kuratiert und zudem auch als Theatermusiker unterwegs. 2020 erhielt er den 1. Deutschen Stummfilmpreis für seine Rekonstruktion der Originalmusik von Hans Landsberger zum Stummfilm DER GOLEM von 1920.

Zum bundesweiten Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“
In Kooperation mit dem Begegnungszentrum Meerwiese

Ein Sommer in La Goulette

Drei Religionen, ein Viertel, ein Sommer

EIN SOMMER IN LA GOULETTE spielt im Tunis des Jahres 1967, kurz vor dem Sechstagekrieg. Im Mittelpunkt stehen drei befreundete Familien muslimischen, jüdischen und christlichen Glaubens, die im Hafenviertel La Goulette in engem nachbarschaftlichem Austausch zusammenleben. Erzählt wird die Geschichte vor allem aus der Perspektive ihrer jugendlichen Töchter, die in einem Sommer zwischen Neugier, Selbstbehauptung und gesellschaftlichen Erwartungen erste Erfahrungen mit Liebe und Beziehungen machen.

Mit leiser Komik und nostalgischem Blick zeichnet Férid Boughedir  ein Bild des damals vielfältigen Zusammenlebens, ohne dessen Fragilität auszublenden. Die sich zuspitzende politische Situation macht deutlich, wie internationale Konflikte in das Alltagsleben hineinwirken und letztlich zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen führen. Der Film versteht sich als Erinnerung an eine Epoche kultureller Vielfalt und gegenseitiger Nähe, deren Verlust bis heute nachwirkt.

„Ein Film voller Lebensfreude – und ein leidenschaftliches Plädoyer für das Zusammenleben in Vielfalt.“ (Le Monde)

UN ÉTÉ À LA GOULETTE / SAEIF HALQ AL WADI · Tunesien/Frankreich/Belgien 1996 · R: Férid Boughedir · Db: Férid Boughedir, Nouri Bouzid · K: Robert Alazraki • Mit Sonia Mankaï,Ava Cohen-Jonathan, Sarah Pariente, Mustapha Adouani, Amel Hedhili, Guy Nataf · ab 12 J. · arab.OmU · 100′

Do 21. Mai • 19:00 Uhr 
Begegnungszentrum Meerwiese, An der Meerwiese 25, 48157 Münster
Eintritt frei

Archiv: Linse Freispiel

Archiv
Performance in der Erphokirche

Brot Brief Karte

Kreise des Zusammenlebens und des Friedens
Kreis aus Schuhen

Brot Brief Karte – Kreise des Zusammenlebens und des Friedens ist eine intermediale Performance. Die rund 60-minütige, ritualbasierte Arbeit des Künstlers Vahid Zarezadeh richtet sich an ein bewusst begrenztes Publikum von maximal 40 bis 50 Personen, um eine intensive Form der Begegnung und Beteiligung zu ermöglichen.

„Für mich ist Kunst kein Ort der Geborgenheit; sie ist ein Raum, in dem die Kosten des Daseins sichtbar werden“, stellt Zarezadeh zu Beginn klar.

Die Performance ist als körperliche, ethische und politische Erfahrung angelegt, die das Publikum aus der passiven Rolle löst und in einen gemeinsamen Prozess einbindet. In einem vielschichtigen Zusammenspiel aus Sprache, Klang, Geruch, Licht und Handlung entfaltet sich ein Raum, in dem Fragen von Migration, Grenzen, Macht und Zusammenleben unmittelbar erfahrbar werden. Deutsch, Englisch und Persisch erklingen gleichberechtigt nebeneinander und werden live sowie simultan untertitelt, sodass Verständigung nicht nur thematisch, sondern auch praktisch verhandelt wird.

Im Zentrum der Performance stehen vier aufeinander bezogene rituelle Kreise, die grundlegende Ebenen menschlicher Existenz berühren. Der erste Kreis widmet sich dem Körper und dem Überleben. Der Geruch von Brotteig liegt in der Luft, ohne dass tatsächlich Brot gebacken wird, und verweist auf Hunger, Teilhabe und die Fragilität elementarer Sicherheit. Im zweiten Kreis rückt Sprache in den Vordergrund. Briefe, Stimmen und Projektionen eröffnen einen Raum des Erzählens und Zuhörens, in dem persönliche Geschichten zu einem kollektiven Gedächtnis werden. Der dritte Kreis macht Macht und Grenzen sichtbar, verhandelbar und körperlich spürbar, indem politische Linien projiziert, verschoben oder bewusst getragen werden.

„In diesen Kreisen ist Frieden kein Ideal; er ist eine schwierige Verhandlung, abhängig von den Umständen. Das Publikum wird nicht unterrichtet – es wird direkt in eine Entscheidungssituation versetzt“, erläutert Filmemacher Zarezadeh

Der abschließende vierte Kreis führt in eine aktive Stille. Hier steht jede Person allein vor der eigenen Entscheidung, ohne Bewertung, ohne Erklärung. Dieser Moment der Stille wird zum verdichteten Kern der Performance, in dem Verantwortung nicht delegiert, sondern individuell erfahren wird.

Deutschland 2026 · Performance: Vahid Zarezadeh & Gelareh Kakavand · Produktion: Jens Schneiderheinze · zirka 60′

Fr 9. Januar 2026 • 19:30 Uhr · Eintritt frei  
Erphokirche, Ostmarkstraße/Kirchstraße, 48145 Münster
Wir empfehlen warme Kleidung

In Kooperation mit der Fachgruppe KunstKircheKultur am Kirchort Edith Stein.
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