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Jüdisches Leben

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Meistens am 4. Sonntag im Monat zeigen wir einen ausgewählten Film zu jüdischen Themen, Kultur und/oder Lebensweisen.
Das Judentum gehört für uns genauso zu Deutschland wie der Islam und alle anderen Religionen. Uns ist wichtig, dass alle Facetten der deutschen Kultur sichtbar sind und ihren Raum haben. Dies u.E. ist ein Baustein gegen Fremdenhass und Antisemitismus.

Die bereits gezeigten Filme der Reihe finden sich in unserem Archiv.

Holding Liat

Vom Schicksal einer Hamas-Geisel und ihrer Familie

Liat wird am 7. Oktober 2023 von Mitgliedern der Hamas gewaltsam aus dem Kibbuz Nir Oz entführt. Kurz danach beginnt Brandon Kramer mit ihrer Familie die Ereignisse zu dokumentieren – mit offenem Ausgang. Er ist sehr nah dabei, wenn die Eltern Yehuda und Chaya versuchen, mit ihrer Angst umzugehen – oder im Austausch mit Behörden Einfluss auf das Schicksal ihrer erwachsenen Tochter und ihres Ehemanns zu nehmen. Yehuda fliegt mit Liats Sohn in die USA, um dort als US-Bürger Einfluss auf die Politik zu nehmen. Sein Enkelsohn hingegen belastet die öffentliche Aufmerksamkeit. Während Liats Schwester versucht Yehudas Temperament und Wut abzufangen, gerät dieser immer mehr in die Logiken der politischen Strategien. Polarisierung gibt es auch in dieser Familie: Der Vater sieht trotz seines Schmerzes Israels Rolle im Nahost-Konflikt kritisch, ist Pazifist und lässt sich auch im geopolitischen Epizentrum von Diplomatie und Trauma nicht vom Weg der Aussöhnung abbringen. Beharrlich schwimmt er gegen den Strom, legt sich mit sich selbst und allen an und schimpft auf die israelische Regierung. Ein offener Film zur Stunde. Einsichten kommen nicht von der Politik, sondern von Liats Familie.

»Ein nuancierterer Blick… Brandon Kramer hat einen Film gedreht, der nicht nur das Trauma des Terroranschlags und der Geiselnahme greifbar macht, sondern auch einen komplexen, äußerst nachdenklichen Blick auf die Gewaltspirale im Nahen Osten bietet.«
Felicitas Kleiner, filmdienst

»Kramers Film ist dort erfolgreich, wo andere Dokumentarfilme, die nach dem 7. Oktober entstanden sind, weniger erfolgreich waren – er wandelt auf dem schmalen Grat zwischen sehr komplexen psychologischen und politischen Positionen… Seine menschliche Aussage ist in ihrer Noblesse, aber auch in ihrer Einfachheit fast unverständlich…«
Shani Litman, Haaretz

USA 2025 · R: Brandon Kramer · Db: Ra’anan Alexandrowicz, Carol Dysinger, Gordon Quinn · K: Yoni Bach, Omer Manor • Mit Jeff Gilbert mit Yehuda Beinin, Liat Beinin Atzili, Chaya Beinin, Tal Beinin · + engl./hebrä.OmU · 97′

Di 7. Oktober 2025 18:00 Uhr im Cinema (kleiner Saal)

Foto Holding Liat
Regisseur Brandon Kramer

Der Diplomat

historisch, politisch, geistig, kulturell und vor allem menschlich eines der eindrucksvollsten Lebensbilder unseres Jahrhunderts
Der Dokumentarfilm erzählt die Lebensgeschichte von Stéphane Hessel. Er ist am 20.10.1917 in Berlin geboren und am 27.02.2013 in Paris gestorben. Mit der Machtergreifung der Nazis ist Hessel, der Jude war; nach Frankreich geflohen. Dort kämpfte er in der Résistance gegen die deutsche Besatzung. Hessel wurde 1944 verhaftet, zum Tode verurteilt und in das KZ-Buchenwald deportiert. Hier begegnete er Eugen Kogon, der mit einem Identitätstausch sein Leben rettete, indem er den Namen Stéphane Hessel auf die Liste der Typhustoten notierte. Eugen Kogon schrieb das Buch der SS-Staat und gab seit 1946 zusammen mit Walter Dirks die linksliberalen, gesellschaftskritischen Frankfurter Hefte heraus, die intellektuelle Plattform im Nachkriegsdeutschland.
Stéphane Hessel begann eine Diplomatenlaufbahn, die ihn nach dem Krieg zu den Vereinten Nationen nach New York führte, wo er an der Redaktion und Formulierung der Menschenrechtscharta maßgeblich beteiligt war. Dem Engagement für die Menschenrechte blieb Hessel zeitlebens verpflichtet.
Mit über 90 Jahren veröffentlichte er die Schriften „Empört euch!“ und „Engagiert euch!“, die beide von Michael Kogon, dem Sohn Eugen Kogons übersetzt wurden. Sein Aufruf richtete sich besonders an die jungen Menschen, die er auch mit einer Auflage von über 1 Million verkauften Exemplaren erreichte. Mit seiner deutsch-französischen Biografie hat er den Versöhnungsgedanken quasi schon als Person verkörpert.
»Der Film ist historisch, politisch, geistig, kulturell und vor allem menschlich eines der eindrucksvollsten Lebensbilder unseres Jahrhunderts, das ich je gesehen habe.«
Richard von Weizäcker

Deutschland 1994 · R: Manfred Flügge, Hans-Helmut Grotjahn, Antje Starost · Db: Manfred Flügge, Hans Helmut Grotjahn · K: Antje Starost · 82′

So 19. Oktober 2025 17:30 Uhr im Cinema (kleiner Saal)
mit pax christi Münster

Jacob de Haan – A Voice out of Time

Ein Dichter zwischen den Fronten – Porträt von Jacob de Haan, Visionär einer friedlichen jüdisch-arabischen Zukunft.

Jacob Israel de Haan, 1881 in einer orthodoxen jüdischen Famile in den Niederlande geboren, war ein niederländisch-jüdischer Dichter, sozialdemokratischer Jurist, Journalist und Aktivist. Früh bekannt durch homoerotische Literatur wie „Pipelines“ (1904), wandte er sich der zionistischen Bewegung zu und zog 1919 nach Palästina. Nach Konflikten mit der zionistischen Führung schloss er sich der haredischen Opposition an, die einen jüdischen Staat ablehnte und wurde schließlich Sprecher der bis heute existierenden Bewegung. Als Korrespondent setzte er sich für friedliche jüdisch-arabische Koexistenz und eine Zwei-Staaten-Lösung ein. Am 30. Juni 1924 wurde er in Jerusalem erschossen – mutmaßlich von der zionistischen Untergrundarmee Hagana, möglicherweise mit Wissen des späteren Präsidenten Jizchak Ben Zwi. Der Dokumentarfilm „Jacob de Haan – A Voice Out of Time“ von Zvi Landsman beleuchtet Leben, Werk und politischen Wandel de Haans und präsentiert neue Indizien zu seiner Ermordung, gestützt auf bislang unbekanntes Archivmaterial und Aussagen von Nachkommen der mutmaßlichen Täter. Anlässlich des 100. Todestages erfuhr de Haan internationale Würdigung als bedeutender Dichter, Pionier der Menschenrechte und Visionär einer friedlichen jüdisch-arabischen Zukunft.

Der Film wurde auf dem Berlin Jewish Film Festival 2025 und dem Beverly Hill Film Festival 2025 ausgezeichnet und auf dem Jerusalem Film Festival 2024 für die beste Dokumentation nominiert.

JACOB DE HAAN – A VOICE OUT OF TIME · Israel 2024 · R: Zvi Landsman · Db: Zvi Landsman · hebrä./engl./jidd./niederl.OmU · 72′

So 26. Oktober 2025 17:00 Uhr im Cinema (kleiner Saal)

Plakat Jacob de Haan – A Voice out of Time
Regisseur Brandon Kramer