Zum Inhalt springen

Dokumentarfilm-Club

Logo Dokumentarfilm-Club

Dokumentarfilme unterbreiten uns das schöne Angebot, den Filmemacher*innen in die verschiedensten Winkel unserer Zivilisation zu folgen. Wir gewinnen einen Eindruck von den Lebensräumen unserer Zeit sowie von der Poesie und Logik sich darin entwickelnder Lebensgeschichten. Dadurch erhalten wir auch Anregungen für unseren eigenen Alltag.
Der Dokumentarfilm-Club lädt von September bis April in der Regel am 4. Mittwoch des Monats um 18.00 Uhr ein. 

Ab Januar 2026 bis zum Dezember werden acht Programme die Stadt Berlin ins Licht rücken. Mehr oder weniger gehen wir dabei chronologisch vor und beginnen mit einem Stummfilm von 1927 und enden im Dezember im Jahr 2023. Somit steht im ersten Halbjahr die geteilte Stadt im Fokus.

Udo Wellerdieck und Jens Schneiderheinze

Die vergangenen Filme finden sich im Archiv.

Berlin – Die Sinfonie der Großstadt

Kassenmagnet von 1927: Rasanz - viele Schienen - 1 hüpfender Arbeiter

Ein Kultfilm? Für Viele.
Ein Film auf Absinth? Vielleicht.

In jedem Falle ein Film, den man gesehen haben sollte. Immer wieder ist das Publikum verblüfft über “das, was es damals schon gab”, über die Gigantomanie der Fabriken, über die Buntheit der Gesellschaft, über den Trubel.

„Lichter! Autos! Menschen! Alles schnitt sich ineinander!“ Angeregt von einer „im Abenddämmern“ gemachten visuellen Großstadterfahrung des Autors Carl Mayer, zeigt der berühmteste „Querschnittfilm“ der Neuen Sachlichkeit dokumentarische Bilder Berlins, in einer rhythmischen Montage verdichtet zu einer Komposition aus Bewegung und Licht. Zwischen Morgengrauen und Mitternacht registriert das urbane Leinwandspektakel alle Nuancen zwischen allumfassendem Weiß, wenn der Dampf von Lokomotiven das Bild ausfüllt, und dem völligen Schwarz bei einer Tunneldurchfahrt. Zumal beim Spiel der Lichtreklamen, im Feuerwerk und „Flammenmeer“ der Großstadtnacht, erfüllt sich in der filmischen „Sinfonie“ die avantgardistische Utopie eines „absoluten Films“ – einer abstrakten Malerei mit Licht.

»Maßgeblich verantwortlich hierfür war der fotografische Leiter Karl Freund, der hochempfindliches Filmmaterial einsetzte, mit dem auch nachts gedreht werden konnte: „Eine ganz große Leistung! Möglich freilich nur durch die Erfindung der Hypersensibilisierung des Negativs durch [die Kameramänner] Kuntze [und] Safra, deren Verdienste der […] Vorspann nicht genügend unterstreicht.« (Der Kinematograph, 24.9.1927) Jörg Schöning

Deutschland 1927 · R: Walther Ruttmann · Db: Karl Freund, Carl Mayer · K: Robert Baberske, Reimar Kuntze, Karl Freund, László Schäffer · ab 0 J. · 65′

Mi 28. Januar 2026  • 18:00 Uhr im Cinema (kleiner Saal) Infrarot-Höranlage vorhanden

Berlin - dokumentarische Kurzfilme

Filme aus den 1960er und 70er Jahren

Pankoff
Eine satirische Montage. Der Ostberliner Stadtbezirk Pankow ist in den fünfziger und sechziger Jahren ein unter westdeutschen Politikern geläufiges Synonym für die politische Führung der DDR. Von Bundeskanzler Konrad Adenauer – mit dem Russischen entlehnter Aussprache – »Pankoff« tituliert, wird sie als sowjetisch gelenktes »Zonenregime« diskreditiert. Der Film kombiniert Straßenumfragen unter (uninformierten) Bundesbürgern mit Szenen aus dem Bezirk. Aufnahmen von einem Männerchor, einem Volksfest und im Freibad demonstrieren unbeschwerte Normalität: »Komm wir wollʼn nach Pankow geh’n, da ist es wunderschön!«
DDR 1966 · R: Harry Hornig · 21‘

Widmung für ein Haus
Eine Frau besichtigt ein leer stehendes, vom Krieg gezeichnetes Haus in der Potsdamer Str. 24. Sie philosophiert über die Geschichte, die Bedeutung und das Schicksal des Hauses. (Quelle: SDK) WIDMUNG FÜR EIN HAUS (1966) ist eine filmische Hommage der Filmemacherin Irena Vrkljan an das einstige „Haus Vaterland“ am Potsdamer Platz. Vrkljan begibt sich in der alten, verlassenen Ruine, die in der Potsdamer Straße 24 an der Grenze zwischen West- und Ost-Berlin im Niemandsland steht, auf Spurensuche. Was ist übriggeblieben von dem einstigen Vergnügungstempel der Goldenen Zwanziger? In poetischen Worten und Bildern beschreibt die Filmemacherin das verfallene Gebäude, das von längst vergangenen Zeiten erzählt. Die letzten Überreste des legendären Amüsiertempels wurden 1976 abgerissen.
BRD 1966 · Irena Vrkljan · 5‘

Memento
Ein Film über jüdische Friedhöfe in Ost-Berlin mit Texten des Rabbiners Martin Riesenburger. Die Kamera zeigt Grabsteine und -aufschriften: Verschleppt, ermordet, umgekommen, in Auschwitz oder Theresienstadt. Der Kommentar erinnert an die Opfer: „1933 lebten in Berlin 160 564 jüdische Mitbürger, 1945 3500.“ Quelle: 66. Internationale Filmfestspiele Berlin (Katalog)
DDR 1966 · Karlheinz Mund · 17‘

Berlin-Kreuzberg – Menschen-Maler-Künstler-Kneipen
Kreuzberg, der alte Arbeiterbezirk, ist heute der bevorzugte Wohnsitz vieler Individualisten. Sie leben in den Mietshäusern mit ihren Souterrain-Behausungen, ihren Hinterhöfen und verschnörkelten Balkons Hier, wo die Untergrundbahn zur Hochbahn wird, fühlen sich viele Maler zu Hause, hier gibt es Kneipen, in denen das Berliner Milieu erhalten ist.
BRD 1968 · R: Heinz Kaskeline · 9‘

Schnelles Glück
Ein Tag auf der Pferderennbahn in Berlin-Karlshorst. Herta Rogau nimmt seit fünfzehn Jahren Wetten entgegen und macht sich ihre Gedanken. In der Schalterhalle treffen sich Spielsüchtige, Gewinner*innen und Verlierer*innen. Glück und Enttäuschung liegen eng beieinander.
DDR 1988 · R: Petra Tschörtner · 10‘

Berlinfieber – Wolf Vostell
Berlin-Fieber Happening for Ada 1 A) Kommen Sie mit Ihrem Wagen zur Osdorfer Straße in Berlin Lichterfelde (Sackgasse), letztes Stück der Straße auf der rechten Seite. B) Nehmen Sie Aufstellung mit Ihrem Wagen in 10er-Reihen, so dicht wie möglich mit dem Auto nebeneinander und hintereinander. C) Auf ein Zeichen hin fahren alle Wagen gleichzeitig los und versuchen so langsam zu fahren, wie es nur möglich ist. Versuchen Sie auch, so dicht hinter und neben den anderen Fahrzeugen zu bleiben.
BRD 1973 · R: Ulrike Ottinger · 11‘

Deutschland 2025 · 73′

Mi 25. Februar 2026  • 18:00 Uhr im Cinema (kleiner Saal) Infrarot-Höranlage vorhanden

Berlin, Bahnhof Friedrichstrasse 1990

Eine Grenze wird abgebaut

Juni 1990, am Bahnhof Friedrichstraße wird die Grenze abgebaut − ein historischer Moment, in dem die Welt aus den Fugen gerät und neu zusammengesetzt wird. Vier Filmemacherinnen aus West- und Ostdeutschland wollen diesen Moment festhalten: den Fluss der Reisenden, die Gedanken und Sorgen der Passant*innen, das ratlose Gesicht eines Zollbeamten. Der Bahnhof verändert sich täglich, Schienen werden umgelegt, die Weichen der Zeit neu gestellt. Die Kuratorin und damalige Aufnahmeleitung Madeleine Bernstorff erinnert sich: »Zeichen und Schilder, Taschen, Füße, Gesichter und Monitorbilder sowie ein nachdenkliches Gespräch über Geld und Waren mit zwei russischen Devisenkleinunternehmern. Wer ist von wo nach wo unterwegs? Und welche neuen Grenzen schließen sich? Das wurde zu den zentralen Fragen des Films.« Die Entscheidung, den Film gleichberechtigt mit vier Regisseurinnen zu produzieren, stieß auf Zurückweisungen beim Kleinen Fernsehspiel. Dank der Redakteurin Annedore von Donop konnte der Film unter der Sparte »Kamerafilm« doch noch in Produktion gehen. Die Bedeutung von Berlin, Bahnhof Friedrichstraße 1990 wird erst heute sichtbar. Seine Form des Direct Cinema funktioniert wie ein audiovisuelles Archiv, das die schwindelerregenden Veränderungsprozesse der Zeit ungeschminkt auf Zelluloid brachte; ein wichtiges Dokument der deutschen (Film-)Geschichte.

„Der Film vom Umbau des Berliner Grenzbahnhofs Friedrichstraße im Sommer 1990 konstituiert in seiner eigensinnigen kollektiven Zusammenarbeit eine verschränkte, multiperspektivische Erinnerung, die in ihrer künstlerischen und selbstverständlich feministischen Anlage die Berührung freilegt, die der immer noch nicht erlöste Zusammenprall zweier Gesellschaften mit sich brachte. In einer Zeit des oft ebenso mitleidig wie arrogant in Szene gesetzten Demontage-Journalismus, der die DDR auf Zerfall und Niedergang reduzierte, arbeitet der Film gegenläufig zum damals gängigen Narrativ und wirkt heute als vorsichtige und skeptische Bestandsaufnahme umso eindrucksvoller. Die Autorinnen/Regisseurinnen/Kamerafrauen aus West und Ost bringen ihre Erfahrungen, Fragen und Arbeitshintergründe in den Film ein. Dies führt – bei aller dokumentarisch-zurückhaltenden Beobachtung – zu einem Eindruck voller Tiefe und Zwischentöne. Der Bahnhof als ein unscharfes, hyperbewegliches Bild vom Umbau einer Gesellschaft. ‚Würden Sie für Ihre Rechte auf die Straße gehen,‘ fragt Lilly Grote die Intershopverkäuferinnen. Ja, das würden sie, für ein selbstbestimmtes Recht auf Abtreibung.“ (Madeleine Bernstorff)

Deutschland 1991 · R & Db: Konstanze Binder, Lilly Grote, Ulrike Herdin, Julia Kunert · K: Konstanze Binder, Lilly Grote, Julia Kunert · 86′

Mi 28. Januar 2026  • 18:00 Uhr im Cinema (kleiner Saal) Infrarot-Höranlage vorhanden

Logo Dokumentarfilm-Club

Berlin – vergangene Filme

Archiv