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STRANGER THAN FICTION 2025

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Liebe Freund*innen des guten Dokumentarfilms,

auch in diesem Jahr zeigen wir wieder eine kleine Auswahl des von der Kinogesellschaft Köln organisierten Dokumentarfilm-Festivals. Wir zeigen drei Filme, die bislang noch nicht im Kino zu sehen waren.

Die Filme:

Pandoras Vermächtnis

Die Tiefen einer faszinierenden Film- und Familiengeschichte

Angela Christlieb nähert sich dem gewichtigen Filmemacher Georg Wilhelm Pabst (Die Büchse der Pandora, Die freudlose Gasse, Die Dreigroschenoper) mit seinen Brüchen und Widersprüchen in Leben und Werk in dieser Dokumentation über dessen Familie: Auf der einen Seite ist Trude, die Ehefrau und Mitarbeiterin, deren Gedanken und Erinnerungen, festgehalten in Tagebüchern, ganz besonderen Raum einnehmen. Ihre Spuren führen tief in den Stoff der Pabst-Filme hinein und versteckt Autobiografisches zum Vorschein bringen; auf der anderen Seite die drei Enkel, deren Erzählungen nicht nur Ergänzung und Gegenrede vornehmen. Ihre eigenen Lebenswege konturieren jene der Großeltern. Macht, Geschlechterverhältnisse, emotionale Distanzen: PANDORAS VERMÄCHTNIS fragt nach der Fortsetzung, die Familie oft bedeutet.

»GW Pabst: Gigant des frühen Kinos, der „große Unbekannte“ – seine visionären Filme, seine vielschichtigen Frauenfiguren und hinter den Kulissen: seine große Liebe Trude Pabst, Schauspielerin, Autorin, Visionärin. Frauen- und Männerbilder im radikalen Wandel, vor 100 Jahren und heute, erzählt aus der Perspektive von Trude Pabst und ihren Enkel*innen. Ein Film über Träume und Traumata – und darüber, warum wir sind, wer wir sind.« Filminstitut.at

»Angela Christliebs Dokumentation gewährt einen faszinierend-erschreckenden Einblick in das Leben von Pabst-Ehefrau Trude und der Nachkommen des Regisseurs.« Der Standard

Österreich 2024 · R & Db: Angela Christlieb · K: Max Berner, Martin Putz · 87′

So 26. Januar 2025  • 13:00 Uhr im Cinema (kleiner Saal)

Bianca Gleissinger
Regie, Drehbuch, Produzent
 
*1990 Wien, Österreich
Nach einem Studium der Filmwissenschaft an der Universität Wien und der Freien Universität Berlin studierte sie an der Berliner Filmschule DFFB Filmproduktion.
 
2022 feierte „Performer“ (R: Oliver Grüttner) auf dem Filmfest München Premiere.
 
Der Dokumentarfilm „27 Storeys“ markiert ihr Debüt als Regisseurin und Autorin.

Provisorium

Vom Krieg zum Frieden?

Vicky und Yulieth, zwei junge Frauen der FARC-Guerilla, blicken im Jahr 2017 sorgenvoll in die tiefen Weiten der Bergwelt Kolumbiens. Eine ungewisse Zukunft liegt vor ihnen und der bewaffnete Kampf bestimmt noch immer ihr Leben.

Nach 50 Jahren Kampf der linken Rebellen der FARC in Kolumbien gegen rechte Paramilitärs und staatliche Truppen mit 220.000 Tote kommt es 2016 zu einem Friedensvertrag. Die FARC legt die Waffen nieder und hofft auf eine Wiedereingliederung in die Zivilgesellschaft. Doch die Regierung hält ihre Versprechungen nur unzureichend, die Paramilitärs erstarken, und der Staat bietet keinen Schutz, auch nicht in den provisorischen Unterkünften für die ehemaligen Kämpfer. Wie kann da Frieden entstehen?

Über fünf Jahre folgt Markus Lenz den beiden Guerilleras, die vor dem tiefgreifendsten Veränderungsprozess ihrer Leben stehen. Sozialisiert und groß geworden im bewaffneten Untergrund, gilt es nun im ganz normalen Alltag zu bestehen und sich selbst neu im zivilen Leben zu verorten. Während die politische Rechte an Fahrt gewinnt und Unsicherheit und Gefahr ihr Leben prägt, müssen die beiden Frauen ein neues Leben erlernen. Frieden ist schwerer zu lernen als Krieg.

Lenz gelingt es, zwei bewegende Lebensgeschichten zu erzählen, die von großen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen geprägt werden.

Deutschland 2024 · R/Konzept/K: Markus Lenz · span.OmU · 95′

Mi 29. Januar 2024  • 18:00 Uhr im Cinema (kleiner Saal)

Soundtrack To A Coup D'etat

Die Rolle des Jazz bei der Befreiung der afrikanischen Kolonien

Ab Ende der 50er Jahre erkämpften immer mehr kolonisierte afrikanische Gebiete ihre formale Unabhängigkeit. Die ehemaligen Kolonialmächte und die USA machten ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss aber weiter geltend. Dabei scheuten sie auch vor Staatsstreichen und politischen Morden nicht zurück.

Der Film beleuchtet wie im Kongo Belgien und die USA mit der CIA die Ermordung des demokratisch gewählten Präsidenten Patrice Lumumbas plante und den Despoten Mobutu an die Macht verhalf. Bisher wenig beleuchtet war die Unterstützung der afrikanischen Befreiungsbewegungen durch schwarze US-amerikanische Aktivisten wie die Black Panther oder Martin Luther King. Eine der seltsamsten Wendungen in dieser Tragödie ist jedoch die Rolle, die der Jazz spielt.

Die Musik der damaligen „Halbgötter“ des Jazz bildet eine reiche Kulisse für Johan Grimonprez‚ aufwändige und komplexe Dokumentation über die schwierige Geburt der afrikanischen Unabhängigkeit. In einer rasanten Montage von Archivmaterial und Musik zeigt der Film, wie Jazz als imperialistisches Instrument von der US-Regierung eingesetzt wurde. Ein wütender Aufschrei gegen die Unterdrückungsmechanismen der westlichen Welt.

Belgien/Frankreich/Niederlande 2024 · R: Johan Grimonprez · Db: Johan Grimonprez, Daan Milius · K: Jonathan Wannyn • Mit Louis Armstrong, Malcolm X, Nina Simone, Miles Davis, Duke Ellington u.a. · engl./franz.OmU · 150′

 

So 2. Februar 2023  • 11:00 Uhr im Cinema (kleiner Saal)