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STRANGER THAN FICTION 2022

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Liebe Freund*innen des guten Dokumentarfilms,

eine besondere Zeit, ein besonderes Jahr für unser Dokumentarfilmfest STRANGER THAN FICTION liegt hinter uns: die 23. Ausgabe fand im Sommer 2021 statt – erstmals mit Open Air-Vorführungen, aber auch erstmals seit unserer ersten Tour in Kinos in NRW 2007 ohne Vorführungen in den anderen Städten. Nun blicken wir zuversichtlich nach vorne und STRANGER THAN FICTION #24 soll wieder an seinem angestammten Platz im Festivalkalender und in allen teilnehmenden NRW-Städten als Kinovorführungen stattfinden.

Wir wünschen allen eine gute Zeit im Kino,
Joachim Kühn & Dirk Steinkühler

Mehr zum Festival auf dessen Website.

Geographies of Solitude

Die Natur auf Sable Sands vor der Küste Kanadas

Zu einem Zeitpunkt, an dem die Umweltkrise dringlicher ist als je zuvor, glaube ich mit ganzem Herzen daran, dass das Kino einen Beitrag zum Heilungsprozess zwischen den Menschen und der Natur leisten kann.
Jacquelyn Mills

Seit Jahrzehnten lebt Zoe Lucas überwiegend alleine auf Sable Island, einer rauen Insel vor der Ostküste Kanadas. Lucas‘ Studien zur Biodiversität haben sie zu einer geschätzten Expertin gemacht. Die Regisseurin begleitet sie und dokumentiert, wie Lucas jedes Detail des Lebens auf der Insel intensiv studiert – auch und immer mehr die kontinuierlich angeschwemmten Mengen an Müll. Unablässig sammelt die autodidaktische Wissenschaftlerin ihn ein und säubert, sortiert und katalogisiert die Fundstücke für eine Langzeitstudie über die Entwicklung der Verschmutzung des Nordwestatlantiks. Mills hält diese akribische Arbeit auf 16-mm fest und experimentiert dabei selbst mit innovativen, umweltfreundlichen Filmtechniken. Wissenschaft und Kunst verschmelzen in den Aktivitäten der beiden Frauen und bereichern sich gegenseitig.

Auszug aus der Begründung der Caligari-Filmpreis-Jury: „Ein schillernder Käfer, der sich seinen Weg durch die Sanddünen ertastet, die sanften Bewegungen der Gräser im Wind, ein strahlender Sternenhimmel ohne den Lichtsmog der Stadt: Jacquelyn Mills’ lyrische 16-Millimeter-Filmaufnahmen öffnen unsere Sensibilität für den Beziehungsreichtum der materiellen Welt. Sie lässt unsere Sinne teilhaben am Werden und Vergehen des Lebens und zieht uns hinein in das komplexe Zusammenspiel einer Ökologie. Der Film begleitet die Forscherin Zoe Lucas, die seit vielen Jahren allein auf der sonst unbewohnten Sable Island vor der Küste Kanadas lebt und mit großer Hingabe die Spuren jedes Lebewesens dokumentiert. Ebenso verzeichnet sie rigoros die Belastung der Umwelt durch Plastikmüll, der in erschreckenden Mengen an die Ufer der Insel gespült und von der Forscherin in minutiöser Arbeit aufgelesen wird. Dabei schafft Mills mehr als ein intimes Porträt, sie erforscht zugleich in experimenteller Weise die Empfindsamkeit des filmischen Materials im Kontakt mit seiner Umgebung. In diesen außergewöhnlichen Figurationen von Erfahrung wird eine unaufdringliche Schönheit spürbar, die zur Verantwortung für die Welt aufruft.“

Kanada 2022 · R & K, S: Jacquelyn Mills · mit Zoe Lucas · ab 0 J. · 103′

Mi 25. Januar 2023  • 18:30 Uhr im Cinema (kleiner Saal)




Plakat Geographies of Solitude

Jacquelyn Mills
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Produzentin

Geboren 1984 in Sydney, Nova Scotia, Kanada. Sie studierte Film und arbeitet als Regisseurin, Kamerafrau, Editorin und Sounddesignerin. Nach dem mittellangen Film In the Waves (2017) ist Geographies of Solitude ihr Langfilmdebüt.

Filmografie
2017 In the Waves (Dokumentarfilm) · 2017 Leaves (Kurzfilm) · 2013 For Wendy (Kurzfilm)

Auf der Homepage von Discover Halifax findet man elf interessante Fakten zu Sable Island. Zum Beispiel ist noch immer ungeklärt, wie die rund 500 Wildpferde auf das 42 Kilometer langen Eiland kamen. Weitere Informationen zum Natinalpark findet man auf der Homepage des Sable Island National Park Reserve.

Festivals & Auszeichnungen 2022

  • Berlinale Forum – Caligari-Filmpreis & CICAE Art Cinema Award & Preis der Ökumenischen Jury
  • Hot Docs, Toronto, Kanada – Bester Kanadischer Feature Film & Earl A. Glick Preis für die beste aufstrebende Regiesseurin
  • Jeonju International Film Festival, South Korea – Großer Jurypreis im Int. Wettbewerb
  • Las Palmas de Gran Canaria International Film Festival, Spain – CIMA Auszeichnung für den besten Film
  • Vilnius Film Festival, Lithuania
  • Art of the Real, New York, USA

Geographies of Solitude

Die Natur auf Sable Sands vor der Küste Kanadas

Zu einem Zeitpunkt, an dem die Umweltkrise dringlicher ist als je zuvor, glaube ich mit ganzem Herzen daran, dass das Kino einen Beitrag zum Heilungsprozess zwischen den Menschen und der Natur leisten kann.
Jacquelyn Mills

Seit Jahrzehnten lebt Zoe Lucas überwiegend alleine auf Sable Island, einer rauen Insel vor der Ostküste Kanadas. Lucas‘ Studien zur Biodiversität haben sie zu einer geschätzten Expertin gemacht. Die Regisseurin begleitet sie und dokumentiert, wie Lucas jedes Detail des Lebens auf der Insel intensiv studiert – auch und immer mehr die kontinuierlich angeschwemmten Mengen an Müll. Unablässig sammelt die autodidaktische Wissenschaftlerin ihn ein und säubert, sortiert und katalogisiert die Fundstücke für eine Langzeitstudie über die Entwicklung der Verschmutzung des Nordwestatlantiks. Mills hält diese akribische Arbeit auf 16-mm fest und experimentiert dabei selbst mit innovativen, umweltfreundlichen Filmtechniken. Wissenschaft und Kunst verschmelzen in den Aktivitäten der beiden Frauen und bereichern sich gegenseitig.

Auszug aus der Begründung der Caligari-Filmpreis-Jury: „Ein schillernder Käfer, der sich seinen Weg durch die Sanddünen ertastet, die sanften Bewegungen der Gräser im Wind, ein strahlender Sternenhimmel ohne den Lichtsmog der Stadt: Jacquelyn Mills’ lyrische 16-Millimeter-Filmaufnahmen öffnen unsere Sensibilität für den Beziehungsreichtum der materiellen Welt. Sie lässt unsere Sinne teilhaben am Werden und Vergehen des Lebens und zieht uns hinein in das komplexe Zusammenspiel einer Ökologie. Der Film begleitet die Forscherin Zoe Lucas, die seit vielen Jahren allein auf der sonst unbewohnten Sable Island vor der Küste Kanadas lebt und mit großer Hingabe die Spuren jedes Lebewesens dokumentiert. Ebenso verzeichnet sie rigoros die Belastung der Umwelt durch Plastikmüll, der in erschreckenden Mengen an die Ufer der Insel gespült und von der Forscherin in minutiöser Arbeit aufgelesen wird. Dabei schafft Mills mehr als ein intimes Porträt, sie erforscht zugleich in experimenteller Weise die Empfindsamkeit des filmischen Materials im Kontakt mit seiner Umgebung. In diesen außergewöhnlichen Figurationen von Erfahrung wird eine unaufdringliche Schönheit spürbar, die zur Verantwortung für die Welt aufruft.“

Kanada 2022 · R & K, S: Jacquelyn Mills · mit Zoe Lucas · ab 0 J. · 103′

Mi 25. Januar 2023  • 18:30 Uhr im Cinema (kleiner Saal)

Plakat Geographies of Solitude

Jacquelyn Mills
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Produzentin

Geboren 1984 in Sydney, Nova Scotia, Kanada. Sie studierte Film und arbeitet als Regisseurin, Kamerafrau, Editorin und Sounddesignerin. Nach dem mittellangen Film In the Waves (2017) ist Geographies of Solitude ihr Langfilmdebüt.

Filmografie
2017 In the Waves (Dokumentarfilm) · 2017 Leaves (Kurzfilm) · 2013 For Wendy (Kurzfilm)

Auf der Homepage von Discover Halifax findet man elf interessante Fakten zu Sable Island. Zum Beispiel ist noch immer ungeklärt, wie die rund 500 Wildpferde auf das 42 Kilometer langen Eiland kamen. Weitere Informationen zum Natinalpark findet man auf der Homepage des Sable Island National Park Reserve.

Festivals & Auszeichnungen 2022

  • Berlinale Forum – Caligari-Filmpreis & CICAE Art Cinema Award & Preis der Ökumenischen Jury
  • Hot Docs, Toronto, Kanada – Bester Kanadischer Feature Film & Earl A. Glick Preis für die beste aufstrebende Regiesseurin
  • Jeonju International Film Festival, South Korea – Großer Jurypreis im Int. Wettbewerb
  • Las Palmas de Gran Canaria International Film Festival, Spain – CIMA Auszeichnung für den besten Film
  • Vilnius Film Festival, Lithuania
  • Art of the Real, New York, USA

Lars Eidinger – Sein oder nicht sein

„You can´t take your eyes off him!“ Isabelle Huppert über Lars Eidinger

Lars Eidinger ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher Schauspieler. Auf der Bühne überzeugt er durch seine körperliche Präsenz, sein variationsreiches Spiel und seine Emotionalität. Dadurch verleiht er seinen Charakteren Tiefe und Glaubwürdigkeit und sorgt für ausverkaufte Theater. Eidinger dreht Filme mit internationalen Stars wie Juliette Binoche, Isabelle Huppert und Adam Driver. Sein Leben hat er voll und ganz der Kunst verschrieben, sei es als Schauspieler, Regisseur, Fotograf oder DJ.

Der Film zeigt den Schauspieler u.a. bei den Proben zu „Jedermann“ in Salzburg. Die Beobachtung seiner Arbeit bietet Einblicke in die intensive Arbeit an Sprache, Körper und Gefühl. Eidinger geht dabei an seine Grenzen und entfaltet eine Wucht, die nicht leicht zu nehmen ist … aber die Zuschauenden vom Hocker reißt.

Deutschland 2022 · R, Db & K: Reiner Holzemer • Mit Lars Eidinger, Juliette Binoche, Isabelle Huppert, Angela Winkler, Edith Clever, Verena Altenberger, Gustav-Peter Wöhler, Tino Hillebrand, Thomas Ostermeier u.a. · ab 6 J. · 93′

So 5. Februar 2023  • 13:00 Uhr im Cinema (kleiner Saal)

Plakat Lars Eidinger - Sein oder nicht Sein
Reiner Holzemer
*1958 in Gemünden am Main, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Ton, Produzent. Er ist als Regisseur und Kameramann Autodidakt.
 
Er drehte mehr als 35 Dokumentarfilme, vorwiegend Künstlerporträts u.a.
– 2020: Martin Margiela – Mythos der Mode
-2017: Dries
– 1999: Magnum Photos – ein Mythos verändert sich
– 1985: Verfolgt und vergessen

Doppelprogramm: Nachbarn UND Zwischen Himmel und Erde

Zwei Kurzfilme aus NRW über das Leben der Provinz

Nachbarn

Es ist tiefer Winter. Wir befinden uns in einem Wald, im Schnee. Vor uns steht eine Flüchtlingsunterkunft, die in Brand gesteckt wurde. Einige Jungen spielen im Schnee. Ihr Lachen hallt durch den Wald. Langsam beginnt die Kamera sich zu drehen und unser Wahrnehmungsfeld zu erweitern. Wir sehen die benachbarten Häuser mit ihren zugezogenen Vorhängen, die verrottenden Zäune und den Wald. Nichts deutet darauf hin, dass hier ein Brandanschlag stattgefunden hat. Keine Spuren an den Wänden. Keine Gedenktafel für diejenigen, die nicht gestorben sind, sondern Opfer des Verbrechens wurden. Ein Brandanschlag? Niemand hat davon gehört. Sobald diese Brandanschläge aus den Zeitungen verschwunden sind, sind sie auch aus dem Gedächtnis der Nachbarschaft verschwunden. Wie erinnern sie sich an die Vorfälle? Wie und was erzählen sie uns?

Deutschland 2018 · R: Pary El-Qalqili · Db: Christiane Schmidt · K: Christiane Schmidt · 26′

Zwischen Himmel und Erde

Der Film erzählt vom dem Verharren und Ausbrechen aus konventionellen Strukturen. Das Leben im rheinländischen Bedburg ist bestimmt von Tradition, die mit der regionalen Braunkohleindustrie eng verwachsen ist. Die Erdschichten und Einschlüsse von uralten Bäumen aus dem Tagebau symbolisieren die Stagnation eines ganzen Ortes. Willy, Thomas und Sina sind drei der 25.000 Einwohner, drei Bedburger, drei Generationen. Während die einen Festhalten, aber ein Loslassen unausweichlich wird, dringen die anderen kämpferisch in alte Strukturen ein und werden sie entweder aufbrechen oder mit ihnen verwachsen.

Gartenarbeit, Eigenheim, Brauchtum und Religion prägen den Geist des Rhein-Erft-Kreises. Dieses Idyll zu bewahren ist die Passion von WILLY, Bürgermeister und Ehrenbürger eines Teilorts von Bedburg, Königshoven, das einst für die Gewinnung der Braunkohle umgesiedelt werden musste. Er ist nun 80 und das Ende seiner Ära als Bürgermeister naht – der Nachfolger steht bereits fest, aber die Übergabe erfolgt schleppend.

THOMAS steht für die erste Generation nach der Umsiedlungsphase und lebt die Tradition in zahlreichen Vereinen und Ehrenämtern. Gleichzeitig ist er IT-Experte bei einem großen Unternehmen und bewegt sich sicher in der digitalen (Parallel-)Welt. Im Bereich Liebe entwickelt sich sein Leben nicht gemäß der traditionellen Erwartungen: Mit 32 ist er unverheiratet und der älteste im Junggesellenverein. Er findet keine Frau und eilt mit einem Hauskauf der Familienplanung voraus.

SINA ist 16 und vor einigen Jahren mit ihren Eltern aus Münster nach Bedburg gezogen. Sie ist anders als die anderen: Hat blau gefärbte Haare, ihre eigene Meinung und sich als bi-sexuell geoutet. Obwohl sie aneckt, hat sie sich in der Tanzgarde des Ortes angemeldet und stellt sich dem hiesigen klassischen Rollenbild eines Mädchens.

Deutschland 2022 · R: Stephanie Englert · Db: Stephanie Englert, Nele Jeromin · K: Brendan Uffelmann, Yves Itzek · 46′

Mo 6. Februar 2023  • 18:30 Uhr im Cinema (kleiner Saal)

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Pary El-Qalqili
arbeitet an der Schnittstelle von Film, Kuration und Lehre. In ihrer filmischen Arbeit erforscht sie nichtlineare Erzählungen, die das hegemoniale Geschichtenerzählen herausfordern. Betrachtet man das gestörte, entwurzelte, kolonisierte und marginalisierte Leben, versteht sie fragmentarische Erzählformen, die Brüche, Lücken und Irritationen umfassen, als Schlüssel zur Dekolonisierung nicht nur ihres/unseren Blicks, sondern auch ihres/unseren Geistes. Im Zentrum ihrer filmischen Suche steht der Drang nach Befreiung von starren Formen des Geschichtenerzählens.
 
Filmografie (Auszug):
  • 2018: Neighbours
  • 2016: Zooland
  • 2015: Human Resource
  • 2015: Return To Life
  • 2012: The Turtle´s Rage

Preise u.a. für:

  • Neighbours
  • The Turtle´s Rag
  • The Calm before the Storm

Nichts Neues

Ein Skandal an der Außengrenzen Europas
Monatelang muss die Crew des Seenotrettungsschiffes Lifeline im Hafen von Malta ausharren. Ihrem Kapitän wird vor Ort der Prozess gemacht – nach der Rettung hunderter geflüchteter Menschen vor dem Ertrinken muss sich Claus-Peter Reisch vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: eine fehlende Registrierung des Schiffes. Der Film begleitet die Besatzung während der Zeit des Festsitzens, des Wartens auf ein erlösendes und anker-lösendes Urteil. Zehn Monate in denen das Leben draußen weitergeht. Draußen, an Land und im Meer, entlang der tödlichsten Fluchtroute von Libyen nach Italien. Man bekommt einen Einblick in die Absurdität der europäischen Migrationspolitik und begleitet Menschen, die etwas verändern wollten, aber zu spüren bekamen, wie wenig wir uns verändern wollen.

Österreich/Deutschland 2021 · R, Db & K: Lennart Hüper · 80′

Di 7. Februar 2023  • 18:30 Uhr im Cinema (kleiner Saal)

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Lennart Hüper
wurde 1994 in Landsberg am Lech geboren. Er studierte Film an der Fachhochschule Dortmund und Soziologie an der Universität Wien. Seine Dokumentarfilme wurden auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt, darunter die Viennale, das DOK.fest München und das Filmfestival Max-Ophüls-Preis. Derzeit arbeitet er als freiberuflicher Regisseur und Kameramann und studiert Art& Film an der Akademie der bildenden Künste Wien.
 
Filmografie (in versch. Funktionen):
  • 2022: Reihe 6
  • 2021: Neverinland
  • 2020: Nichts Neues
  • 2017: Die stille Revolution – Der Kinofilm zum Kulturwandel in der Arbeitswelt
 

My Imaginary Country

Der neue Aufbruch in Chile
Mit anschl. Gespräch mit der deutsch-chilenischen Musikerin Isabel Lipthay

Im Oktober 2019 führte die Erhöhung der Metropreise in Santiago de Chile zu heftigen sozialen Protesten. Über eine Million Menschen demonstrierten für ein gerechteres Bildungs- und Gesundheitssystem und eine neue Verfassung. An vorderster Stelle: Die Frauen. Der Filmemacher Patricio Guzmán liefert ein erfrischendes Zeitdokument, das fesselt und unter die Haut geht.

Mit engagierten Essays von La batalla de Chile bis zu Nostalgia de la luz hat sich Patricio Guzmán längst einen Namen gemacht und die Traumata der Diktatur in seiner Heimat filmisch verarbeitet. Doch als 2019 in Santiago de Chile 1.5 Millionen Menschen mit demokratischen Forderungen auf die Strasse gehen, kommt das selbst für ihn überraschend – er hat nicht mit dieser Form von kollektivem Aktivismus gerechnet.
Was Guzmán uns mit „Mi país imaginario“ vorlegt ist denn auch weniger Erinnerung – es ist Aufbruch und Hoffnung. Der Film ist angesiedelt zwischen Reportage und Reflexion. Letzteres trägt die Handschrift des Altmeisters und macht den Film enorm bereichernd, Ersteres macht ihn zu einem der direktesten in seinem Werk. Im Orchester aus Kochtöpfen, Steinen und Sprechchören erklingen die Frauen besonders laut. Bilder und Erlebnisse des Schweizer Frauenstreiks kommen hoch, Farben, Parolen und Forderungen überschneiden sich. Die Proteste zeigen die Mobilisierungskraft der Frauen, es kommt zur Uraufführung des Protestsongs gegen Gewalt an Frauen, der darauf um die Welt gehen sollte: «El violador eres tú! – der Vergewaltiger bist du!» Ob in Madrid, Melbourne, Lausanne, Istanbul oder Caracas, der Song fand weltweit Nachahmerinnen. Mögen ihre Parolen noch lange nachhallen und Veränderungen bewirken.

MI PAíS IMAGINARIO · Frankreich/Chile 2022 · R: Patricio Guzman · Db: Patricio Guzmán · K: Samuel Lahu • Mit Youssef Suleiman Mohammed, · span.OmU · 83′

Mi 8. Februar 2023  • 18:30 Uhr mit anschl. Gespräch mit der deutsch-chilenischen Musikerin Isabel Lipthay im Cinema (kleiner Saal)

Plakat My Imaginary Country

Joshua Bonnetta
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Musik, Produzent

geboren 1979 in Kanada ist ein interdisziplinär arbeitender Künstler, der mit Sound and Bilder Installation, Performances und traditionelle Kinofilme schafft. Seine aktuelle Arbeit erkundet Umweltgeräusche durch akustische Ökologie und Bioakustik-Frameworks.

Seine Arbeiten wurden gezeigt
Berlinale, BFI London Film Festival, Institute of Contemporary Art (London), Museum of Modern Art (New York), New York Film Festival, Toronto International Film Festival, Whitechapel Gallery und auf verschiedenen Festivals, Museen and Gallerien international.

Er ist Associate Professor am Department of Cinema, Photography, & Media Art am Ithaca College. Seine Sound-Arbeitenwurden bei Shelter Press, Canti Magnetici und Senufo Editions publiziert.

Filmografie
2017 El Mar la Mar (Dokumentarfilm) · 2013 Remanence I – (Lost, Lost, Lost, Lost) (Kurzfilm) · 2012 Strange Lines and Distances (Kurzfilm) · 2011 American Colour

Seine Website