| Ein
radikales Pamphlet gegen die Todesstrafe
Der Henker sieht aus wie ein Mann mit Magengeschwüren, klein,
mager, mit Glatze. Ein junger Mann ist hinzurichten, ein Mörder.
Man bietet ihm die letzte Zigarette an. Dann ergreifen ihn viel zu
viele Vollzugsbeamte. Plötzlich ist alles ganz hastig: Der Henker
wurstelt die Schlinge um den Hals, öffnet die Klappe. Der Körper
fällt. Zucken. Ein Arzt legt das Stethoskop an. In die gelbe
Plastikwanne tropfen Exkremente. In keinem Film ist je genauer und
unerschütterlicher gegen die Todesstrafe argumentiert worden und
das ohne Wortschwall, ohne Lamento, ohne Pathos. Krzysztof
Kieslowski arbeitet mit der Haltung, die dem Kino gemäß ist: Er
zeigt die zwei Seiten der Medaille des Mordens. Denn genauso
unerbittlich wie die Hinrichtung des jungen Mannes hat er dessen
Tat gefilmt: Sinnlos bringt er einen Taxifahrer um. Er würgt sein
Opfer, er schlägt es, er zerschmettert ihm den Kopf mit einem
Stein. Ein blutiges Gebiss fällt aus dem Mund.
KRÓTKI FILM O ZABIJANIU ·
Polen 1987 · Regie: Krzysztof Kieslowski · Drehbuch:
Krzysztof Kieslowski, Kryzsztof Piesiewicz · Kamera: Slawomir
Idziak · Musik: Zbigniew Preisner • Mit: Miroslaw
Baka, Krszysztof Globisz, Jan Tesarz, Zbingniew Zapasiewicz,
Barbara Dziekan, Aleksander Bednarz, Jerzy Zass, Zdzislaw Tobiasz,
Artur Barcis, Krystina Janda · ab 16 J. · 85‘ |