Ein Mann und eine Frau, beide Mitte 20, werden von Polizisten
in einen weißen Kombi genötigt. Sie haben miteinander
geschlafen, ohne verheiratet zu sein. Eine Szene aus „Les
Casablancais“ – inszeniert zwar, aber nah an der Realität, in
einer Stadt, in der die unterschiedlichen Zeitzonen Marokkos
aufeinanderprallen: kurze Röcke und Schleier, Djellabah und
Jackett, französische und arabische Sprachfetzen, achtspurige
Autobahnen und das Labyrinth Casablancas. /…/
Ein Buchhändler schiebt aus Angst vor einer Hausdurchsuchung
Marx’ „Kapital“ unters Bett, ein Kind wird von seinem
fundamentalistischen Lehrer gegen die eigenen Eltern aufgehetzt.
Einmal sieht man den Jungen, wie er in einem Plastiksack
Schnapsflaschen nach Hause schleppt. Der Vater trinkt, aber
wohlweislich tut er das nicht in den Bars. Der Film gewährt sehr
lakonisch und mit leichter Hand Einblicke in das Innenleben einer
Stadt – anhand vermischter Nachrichten, die lose miteinander
verbunden sind.« (Christina Bylow, in: BZ)
»Anders als die meisten marokkanischen Regisseure, die sich in
Frankreich haben ausbilden lassen und deren Filme deutlich vom
langsamen Erzähltempo des französischen Autorenkinos beeinflußt
sind, hat Abdelkader Lagtaâ die Filmhochschule Lodz besucht. Sein
Film unterscheidet sich allein schon durch einen ironischen Blick
auf die marokkanische Wirklichkeit von den anderen Filmen.«
(Martina Meister, in: Frankfurter Rundschau)
MAROKKO
1998 · Regie und Buch Abdelkader Lagtaâ · Kamera Michel
Laveaux· Mit Aziz Saädalah, Khadidja Assad, Salaheddine
Ben Moussa, Mohamed Benbrahim, Amine Kably, Karina Aktouf, Saida
Jawad · 89'
Montag 17.07.00, ca. 18:45 Uhr
Links
LES
CASABLANCAIS in Internet Movie Database
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