|
Der Mann mit der Kamera
Live begleitet am
Klavier von Peter Aufderheide
Eine
handgreifliche Illustration dessen, was er mit seiner Theorie
vom Film-Auge eigentlich meinte, lieferte Vertov noch
einmal 1929 in dem Film TSCHELOWJEK S KINOAPPARATOM. Dies Werk
wirkt wie die Verfilmung eines vertovschen Manifestes.
Protagonist ist nicht mehr nur ein Mensch, sondern der
Kameramann und das 'Filmauge' selbst.
Kurbelnd
eilt der Operateur mit seinem Gestell durch alle Bilder, rast
auf Autos daher, erklettert schwindelerregend hohe Schornsteine,
klebt an der Außenseite eines fahrenden Zuges. Lokomotiven
fahren über die Kamera hinweg oder haarscharf an ihr vorbei;
Straßenbahnen überkreuzen sich in Doppelbelichtung. Dann
wieder erstarrt die Bewegung zum Standfoto, und die Kamera holt
einzelne Gesichter scharf und nah heran – auch hier wird Leben
,überrumpelt'.
Was
den MANN MIT DER KAMERA, abgesehen von dem Tatsachenfanatismus
und der rhythmischen Gliederung des Films, noch heute zu einem
faszinierenden Werk macht, ist die Betonung der
Film-Zuschauer-Relation: Vertovs Film beginnt mit einem
langsam sich füllenden Kinosaal, blendet zwischendurch ins
Laboratorium und an den Schneidetisch über, lässt das
Kameraobjektiv nicht aus dem Auge, kurz, er orientiert den
Zuschauer über den filmischen Entstehungsprozess und macht so
den Film als artifizielle Schöpfung bewusst.
UdSSR 1929
68', 16mm, stumm, ohne Zwischentitel R/B Dziga Vertov
K Michail Kaufman
So 24. Januar 1999, 20:15 Uhr im Cinema
Präsentiert von der AG
Visuelle Anthropologie in Zusammenarbeit
mit DIE LINSE
Links
Der
Mann mit der Kamera@IMDb |