| Mein Herz
- niemandem!

Die Geschichte einer Liebe zwischen einer Jüdin und einem
Deutschen in diesem Jahrhundert, zwischen zwei Rivalen in der
lyrischen Dichtung, die einander den schönsten Liebesdialog der
Weltliteratur geliefert haben, leidenschaftlich, sinnlich,
verzweifelt, wild, einander verfallen und einander hassend. Er
begeistert sich für die Nazis, während sie wie eine Bettlerin
das Land ihrer ehemaligen Triumphe verlassen muß, um von Land zu
Land bis nach Jerusalem zu wandern. Er begreift bald seinen
Irrtum, als die Nazis die Kunstrichtung, der er selbst angehörte,
für ‘entartet’ erklären und ihn kaltstellen. Deutschland
zerstört sich selbst, indem es sein Judentum zerstört. Sein
Abgesang auf sie nach ihrem Tod ist eine bleibende
Liebeserklärung.
»Beginnen wir mit einem Ende. Fünfunddreißig Jahre nach
Oberhausen, einunddreißig Jahre nach Schlöndorffs Jungem
Törleß, dreißig Jahre nach Herzogs Lebenszeichen markiert MEIN
HERZ NIEMANDEM! das Ende einer Ära. Wer sich das neueste
Werk von Helma Sanders-Brahms im Wettbewerb ansah, war froh, daß
es außer Konkurrenz lief. Denn es ist ein armer Film, nicht im
Geiste, sondern im Materiellen: Es gibt in Deutschland kein Geld
mehr für etwas, was nach dem alten Neuen Deutschen Film riecht.
Und ein Film von Sanders-Brahms über Else Lasker-Schüler und
Gottfried Benn trägt von vornherein das Stigma des
Unkommerziellen. Daß er überhaupt zustande kam, verdankt er der
Bereitschaft aller Beteiligten zu Abstrichen und Improvisation:
Dekorationen, die nicht naturalistisch sind, sondern nur das
Notwendigste, Typische zeigen; eine am Drehort Minuten vor der
Aufnahme improvisierte Musik, eine Collage aus Gedichten statt
Handlung und Dialogen. Wer sich auf diese spartanische Filmsprache
einläßt, dem winkt eine intensive Erfahrung doch wer
läßt sich heutzutage im Kino darauf noch ein?«
(Hans-Georg Rodek, in: Die Weit)
»Ich habe den Film so, wie er jetzt ist, fertiggemacht, nach
einem langen, langen Arbeitsprozeß, bei dem ich alles das
eingearbeitet habe, was sich in neunzig Minuten einarbeiten ließ,
von den Dingen, die ich in all den Jahren an meinem Weg gefunden
habe: die Fakten, die Gesichter, die Kleider, die dokumentarischen
Szenen der Zeit, die Photos. Das habe ich alles hineingepackt. Er
ist voll von Dingen, die sich mir im Laufe der Zeit mitgeteilt
haben. Hätte ich einen normalen dokumentarischen Film gemacht,
der nur aus Photos und Zeitdokumenten bestanden hätte, wäre
dasein üblicheres Werk geworden. Aber wie hätte man da die
Gedichte drin haben können? Das geht nicht. (...) Die Gedichte
sind das Wichtigste, es geht um diese Gedichte, um diesen
Gedicht-Dialog vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. Und
es geht um ‘entartete’ Kunst und was diese vorher war
expressionistische Kunst , und was das alles für Deutschland
bedeutet.«
(Helma Sanders-Brahms im Gespräch mit Erika Richter. In: Film
und Fernsehen)
D 1997 · Buch und Regie: Helma Sanders-Brahms · Kamera:
Roland Dressel · Musik: Peter Kowald, Eckard Koltermann, Angelika
Flacke · Mit: Lena Stolze, Cornelius Obonya, René Schubert,
Leonard Schnitmann, Anna Sanders, Janina Berge, Lothar von Versen,
Tomek Schulz, Thomas Ruffer, Stefan Ostertag, Christian Schlemmer,
Nicolai Albrecht, Klaus Bunk, Bruno Dunst · 90‘
ab Do 20. Mai 1999, ca. 20:15 Uhr
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