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Helma Sanders-Brahms

Kleine Werkschau mit Filmen von Helma Sanders-Brahms
- April/Mai 1999 -

Mein Herz - niemandem!

Die Geschichte einer Liebe zwischen einer Jüdin und einem Deutschen in diesem Jahrhundert, zwischen zwei Rivalen in der lyrischen Dichtung, die einander den schönsten Liebesdialog der Weltliteratur geliefert haben, leidenschaftlich, sinnlich, verzweifelt, wild, einander verfallen und einander hassend. Er begeistert sich für die Nazis, während sie wie eine Bettlerin das Land ihrer ehemaligen Triumphe verlassen muß, um von Land zu Land bis nach Jerusalem zu wandern. Er begreift bald seinen Irrtum, als die Nazis die Kunstrichtung, der er selbst angehörte, für ‘entartet’ erklären und ihn kaltstellen. Deutschland zerstört sich selbst, indem es sein Judentum zerstört. Sein Abgesang auf sie nach ihrem Tod ist eine bleibende Liebeserklärung.

»Beginnen wir mit einem Ende. Fünfunddreißig Jahre nach Oberhausen, einunddreißig Jahre nach Schlöndorffs Jungem Törleß, dreißig Jahre nach Herzogs Lebenszeichen markiert MEIN HERZ  NIEMANDEM! das Ende einer Ära. Wer sich das neueste Werk von Helma Sanders-Brahms im Wettbewerb ansah, war froh, daß es außer Konkurrenz lief. Denn es ist ein armer Film, nicht im Geiste, sondern im Materiellen: Es gibt in Deutschland kein Geld mehr für etwas, was nach dem alten Neuen Deutschen Film riecht. Und ein Film von Sanders-Brahms über Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn trägt von vornherein das Stigma des Unkommerziellen. Daß er überhaupt zustande kam, verdankt er der Bereitschaft aller Beteiligten zu Abstrichen und Improvisation: Dekorationen, die nicht naturalistisch sind, sondern nur das Notwendigste, Typische zeigen; eine am Drehort Minuten vor der Aufnahme improvisierte Musik, eine Collage aus Gedichten statt Handlung und Dialogen. Wer sich auf diese spartanische Filmsprache einläßt, dem winkt eine intensive Erfahrung  doch wer läßt sich heutzutage im Kino darauf noch ein?«

(Hans-Georg Rodek, in: Die Weit)

»Ich habe den Film so, wie er jetzt ist, fertiggemacht, nach einem langen, langen Arbeitsprozeß, bei dem ich alles das eingearbeitet habe, was sich in neunzig Minuten einarbeiten ließ, von den Dingen, die ich in all den Jahren an meinem Weg gefunden habe: die Fakten, die Gesichter, die Kleider, die dokumentarischen Szenen der Zeit, die Photos. Das habe ich alles hineingepackt. Er ist voll von Dingen, die sich mir im Laufe der Zeit mitgeteilt haben. Hätte ich einen normalen dokumentarischen Film gemacht, der nur aus Photos und Zeitdokumenten bestanden hätte, wäre dasein üblicheres Werk geworden. Aber wie hätte man da die Gedichte drin haben können? Das geht nicht. (...) Die Gedichte sind das Wichtigste, es geht um diese Gedichte, um diesen Gedicht-Dialog vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. Und es geht um ‘entartete’ Kunst und was diese vorher war  expressionistische Kunst , und was das alles für Deutschland bedeutet.«

(Helma Sanders-Brahms im Gespräch mit Erika Richter. In: Film und Fernsehen)

D 1997 · Buch und Regie: Helma Sanders-Brahms · Kamera: Roland Dressel · Musik: Peter Kowald, Eckard Koltermann, Angelika Flacke · Mit: Lena Stolze, Cornelius Obonya, René Schubert, Leonard Schnitmann, Anna Sanders, Janina Berge, Lothar von Versen, Tomek Schulz, Thomas Ruffer, Stefan Ostertag, Christian Schlemmer, Nicolai Albrecht, Klaus Bunk, Bruno Dunst · 90‘

ab Do 20. Mai 1999, ca. 20:15 Uhr

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