Die Linse zeigt mit dem
psychotherapeutischen Netzwerk Münsterland:
Psycho, Film und Analyse
Seit Juni 2008 besteht
das psychotherapeutische Netzwerk Münsterland. Im Netzwerk
engagieren sich Psychologen und Ärzte, für das weite Feld
der Psychotherapie und setzen dabei verschiedene
Schwerpunkte in ihrer Arbeit. Einige Mitglieder haben sich
zum Ziel gesetzt die Idee wieder aufzugreifen, die bereits
2004 und 2005 im Cinema Einzug gehalten hatte: Ein breites
Spektrum an Spielfilmen wurde gezeigt und anschließend in
einem Vortrag psychoanalytisch kommentiert.
Die Idee Psychoanalyse, Psychotherapie und Film
miteinander zu verbinden, ist inzwischen in einigen Städten
zu einer festen Institution geworden. In London gibt es das
Festival "Psychoanalyse und Film". In Münster
soll das Publikum ebenfalls in den Genuss kommen, die
spannende Verbindung der fast gleich alten Geschwister
"Kino und Psychoanalyse" zu erleben. Der
Blickwinkel im jeweiligen Vortrag soll dabei durchaus auch
über den klassisch psychoanalytischen Rahmen hinaus gehen.
Referentin: Dipl.Psych. Bettina Hahm,
Schäftlarn bei München
Eintritt inkl. Vortrag: 7,50 / ermäßigt
6,50 Euro · nur Vortrag: 2,50 Euro
Krieg als Fülle von Einzeltraumata
""Waltz with Bashir" ist ein gezeichneter
Dokumentarfilm. Er handelt von den Kriegserfahrungen israelischer
Soldaten im 2. Libanonkrieg 1982. "We may forget the War, but
the War doesn't forget Us", unter diesem Motto begibt sich
Regisseur Ari Folman auf die Suche nach seinen eigenen
verdrängten Kriegserinnerungen. Den Anstoß gab ein
alptraumgeplagter Freund, dessen Erzählungen in Folman Bilder
wachriefen, die er 20 Jahre lang verdrängt hatte. Als Leitfaden
seiner Rekonstruktion dienen Folman psychoanalytische Konzepte von
Trauma, Erinnerung und Traumdeutung. Die von ihm geführten
Video-Interviews mit ehemaligen Kriegskameraden wurden in einen
Zeichentrickfilm umgesetzt, in den auch Träume und Tagträume der
Interviewten eingefügt wurden. Mit diesem Kunstgriff führt Ari
Folman uns mitten hinein in das subjektive Erleben der Soldaten,
dorthin, wo brutales Kriegsgeschehen auf ungeschützte harmlose
Alltagserfahrung trifft, vorbei an heroischen und
kriegstechnischen Begrifflichkeiten ("Landesverteidigung,
schnelle Eingreifkräfte"), mit denen wir Kriegsrealität
abwehrend auf Distanz halten. Hier wird Krieg als Fülle von
Einzeltraumata gezeigt, die, obwohl jeder Einzelne sie stumm mit
sich herumträgt, doch eine (unbewusste) Wirkung auf die
Gesellschaft als Ganzes haben. Die Umsetzung der
Videodokumentationen in gezeichnete Linie hat auch die Wirkung,
ästhetische Distanz zu schaffen, die erlaubt, dem Gezeigten
emotional standzuhalten, ohne die Augen zu verschließen. Deshalb
keine Angst. "Waltz with Bashir" ist ein wunderbarer und
warmherziger Film, der unsere Wahrnehmung von Krieg nachhaltig
verändert." (Bettina Hahm)
Israel/Deutschland/Frankreich
2008 · Regie und Drehbuch: Ari Folman · Musik: Max
Richter · 87‘
Eintritt inkl. Vortrag: 7,50 / ermäßigt
6,50 Euro · nur Vortrag: 2,50 Euro
"Babel" ist ein Film, der im Stil des "cross-over"
im doppelten Wortsinn über Grenzen geht
Durch 3 Kontinente und 5 Sprachräume folgt der Zuschauer einer
dramatischen Handlung, die ihn immer wieder nötigt, die eigene
Begrenztheit des "noch-nicht-verstehens" zu ertragen.
Die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel handelt von dem
zornigen Gott, der als Reaktion auf die menschliche Hybris, Gott
ähnlich zu werden, die Menschen mit Sprachverwirrung
bestraft.
Die Verschiedenheit der Sprachen erfordert fortan das ständige
Bemühen, den anderen in seiner jeweiligen Sprache zu verstehen.
Aber bis wohin gelingt die Verständigung oder das gegenseitige
Verständnis?
Gibt es etwas "dahinter", was unverstanden bleiben wird?
Wenn die Kommunikation an ihre Grenzen kommt, sind diese Grenzen
benennbar? Und wenn sie es sind, wären sie zu überwinden? Oder
ist es so, dass die Grenzen der menschlichen Kommunikation erst
den Raum öffnen für die Differenz, die den Anderen erkennbar
macht, das Subjekt aber auch zurückwirft auf eine existenzielle
Einsamkeit?
Daneben scheint es gerade dieser (unbegrenzte?) Zwischenraum zu
sein, der die Neugier auf das Andere erzeugt, die Lust an der
Erkenntnis und die Fähigkeit zur Kreativität schafft.
USA 2006 ·
Regie: Alejandro González Iñárritu · Drehbuch:
Guillermo Arriaga · Rodrigo Prieto • Mit Brad Pitt, Cate
Blanchett, Gael García Bernal, Koji Yakusho, Rinko Kikuchi,
Adriana Barraza, Jamie McBride, Lynsey Beauchamp, Mahima Chaudhry
u.a. · ab 16 J. · 144'