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Das Osnabrücker Festival widmet sich vor allem filmischen
Experimenten. Acht Filme aus sechs Länder geben Anregungen
und Impulse.
AAAARGH!
Menschliche Meerschweinchen reagieren aufeinander in einem
wortlosen Dialog.
Medizinisches Filmmaterial ist in der Regel eine nüchterne
Beobachtung von Experimenten. In AAAARGH! prallt diese Suche
nach Wahrheit auf eine weitere Wahrheit: die kinematographische
Illusion einer Geschichte.
Niederlande
1999 · 5'
· Regie
Martijn Gerfin
WÜRFELS STERN
Würfels Stern, das ist der Gesteinsbrocken irgendwo im
Weltraum, auf dem die Würfelmenschen leben. Und wenn sie schon
nicht leben, dann glotzen sie doch zumindest TV und fressen
virtuelle Broiler
- bis eines Tages das Unvorhergesehene eintritt: Im Vorbeiflug
setzt der Wandelstern zwei klägliche Helden, Menschen eben, in
die perfekte Welt. Wir ahnen, wie alles irgendwann enden wird -
oder wie es einmal begann?
Deutschland
1999 · Regie, Buch Ursula Helfer, Lutz Garmsen · Mit
Kerstin Ackermann, Wilhelm Wittstamm, Ralf Reichard, Torsten
Blunk
OUTER SPACE
Die Ahnung eines Horrorfilms, lauernde Gefahr: Ein Haus, nachts,
im Blick der Kamera leicht verkippt, taucht irrlichternd aus
tiefem Schwarz auf und darin wieder ab. Eine junge Frau setzt
sich langsam in Bewegung, auf das Gebäude zu, betritt es, die
Schnittstellen des Films knacksen, die Tonspur knarrt,
gedämpft, erstickt. Gefundenes Material, Hollywood, ist die
Basis dieses Films. Die Gestalt, die durch die Bilder schleicht,
geschleudert wird und gegen sie schlägt, heißt Barbara
Hershey.
Tscherkasskys dramatisches Recycling, die Neuabtastung und
Umbelichtung des Materials, Kader für Kader, schiebt die Bilder
und die Räume ineinander, entzieht dem Betrachter jeden Boden
und spaltet die Gesichter, wie im bösen Traum.
Österreich
1999 · 10' · Regie Peter Tscherkassky · s/w
KING OF THE JEWS
King of the Jews ist eine Film über Furcht und Transzendenz.
Indem er Hollywoodfilme, Lehrfilme der 50er Jahre, private Filme
und religiöse Filme aus der Kinogeschichte einsetzt, beschreibt
der Filmemacher seine unangenehme Kindheitsbeziehung zu Jesus
Christus. Die Entwicklung dieser Beziehung ist ein Ausgangspunkt
für die Untersuchung der Wurzeln des christlichen
Antisemitismus und des Bedarfs an spiritueller Heilung.
USA 2000
· 18' · Regie Jay Rosenblatt
REMOVED
Removed ist ein Kurzfilm, der aus Pornofilm-Bildern gemacht
wurde. Die nackte Frau, ein Objekt des Verlangens, wird mit
Bleichmittel und Nagellack aus dem Bild entfernt. Der Zuschauer
ist gezwungen, über Mann-Frau-Beziehungen nachzudenken.
Naomi Uman lebt in Los Angeles und Mexico City, wo sie an einem
kleinen Tisch, in Gesellschaft eines kleinen Hundes, Filme
macht.
USA/Mexiko
1999 · 7' · Regie Naomi Uman
SPIDERS IN LOVE: AN ARACHNOGASMIC MUSICAL
Willkommen in der Welt der weiblichen Spinne ... mit Netzen, die
die Schwachen im Innersten packen und sie buchstäblich trocken
saugen, verstümmelte Penisse essen, und achtbeinige Tanznummern
darbieten, die selbst bei Bugsby Berkley zu nassen Hosen führen
würden. Im Grunde die Neuschöpfung des Albtraum eines
Arachnophilen. Red-hot-Collage und Marionetten-Animation.
Martha Colburn ist eine autodidaktische Filmemacherin und
Musikerin.
USA 1999
· 3' · Regie Martha Colburn
SPARKLEHORSE
Indem er Filmmaterial und fertige Bilder mit Animation
kombiniert, interpretiert dieser Film in drei Teilen die Musik
der New Yorker Band Sparklehorse. Das dadurch entstehende
mesmerische Gedicht hat verstörende Untertöne.
Der Film ist in drei Abschnitte unterteilt: ›Happy Man,‹ ›Good
Morning Spider‹ und ›Hundreds of Sparrows‹.
Kanada
1999 · 9' · Regie Gariné Torossain
HEY MADONNA
›Ist Fotografiert-Werden die einzige Möglichkeit, sich dem
Tod zu entziehen? Ich erinnere mich an die Videokamera, die du
benutzt hast, als wir zum erstenmal fickten. Du sagtest: ›So
wird unsere Liebe niemals enden.‹ Jetzt sehe ich dich nicht
mehr, nur noch im Fernsehen.
Bist du der Grund für die Massenkommunikation? Wurde das
Fernsehen erfunden, damit wir uns alle bei dir einschalten
können? Uns in dich verlieben? Ich weiß, du hebst Gewichte und
joggst, aber du siehst einfach nicht mehr genauso aus. Und es
ist traurig. Es erinnert daran, was bevorsteht. Was schon in uns
ist. Uns auffrisst. Wenn ich gehe, möchte ich wie die Mona Lisa
aussehen, mit diesem lustigen kleinem Lächeln im Gesicht. Ich
weiß, worüber sie nach all der Zeit lächelte. Es ging um den
Tod. Das Wissen, wie man stirbt. Am Ende deiner Tage gibt es nur
noch das. In den Abgrund schauen und lächeln. Ist es ein
Wunder, dass sie auf so vielen Postkarten ist? Genau wie du,
Baby. Ich hoffe, es geht dir gut.‹ Jason
Kanada
1999 · 9' · Regie Mike Hoolboom
Sonntag 1.4.2001 19:00 Uhr
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