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DDR-Werbekurzfilme
"Reklame aus dem flotten Osten"

Sonntag 5. März 2006 19:00

Dr. Ralf Forster (Filmtechnikhistoriker, Publizist und Schmalfilmspezialist aus Berlin) stellt das von ihm zusammengestellte Programm persönlich im Cinema vor!

Ein wunderbarer Querschnitt aus drei Jahrzehnten DDR-Werbung: ein Raritätenprogramm mit den schönsten und treffenden Film-Spots und Werbe-Dias

Inzwischen sollte es kein Geheimnis mehr sein: die DDR war kein werbefreies Land. Optisch auffällig grüßten Reklamefiguren von Litfaßsäulen, in Zeitschriften oder Schaufensterauslagen, prangten Leuchtzeilen wie "ND gelesen — dabei gewesen" oder "Plaste und Elaste aus Schkopau" an Brücken oder Gebäuden, integrierten Kino und Fernsehen reizvolle Werbespots in ihr Programm. 

Die große Zeit der DDR-Werbung fällt dabei in die 60er und frühen 70er Jahre, als die SED-Politik kapitalistische Prinzipien der Wirtschaft auf das sozialistische System zu übertragen suchte. Der "Westen" sollte mit seinen eigenen Waffen — u.a. einer innovativen Produktpräsentation — geschlagen werden. Ab 1972/74 wandelte sich die Konzeption: nun erschien Reklame als überflüssiges Relikt einer vergangenen Zeit, sie wurde nach 1975 für das Inland nur noch ausnahmsweise finanziert, für das Ausland natürlich weiter betrieben, um DDR-Erzeugnisse in Devisen umzusetzen.

Doch inwieweit ist dieser Teil ostdeutscher Kulturgeschichte heute noch nachzuerleben? Während bekannte Werbefiguren wie der "Minol-Pirol" mittlerweile neu aufgelegt und zu Verkaufsschlagern wurden, Plakate, die DDR-Waren von der Schokoladenseite zeigen, zu begehrten Postkartenmotiven avancierten, blieben Veröffentlichungen mit DDR-Werbefilmen die Ausnahme. 

Deshalb sind Zufallsfunde zu begrüßen, so geschehen vor einigen Jahren durch den Filmhistoriker und Sammler Karsten Winkler in Thüringen. Kurz vor dem Abbruch eines Hauses rettete er diverse Rollen 35- und 16mm-Film, dazu Kisten mit mehr als 1000 Lichtbildern! Die schönsten und treffendsten Spots bzw. Dias wurden durch Ralf Forster und Karsten Winkler für ein Raritätenprogramm selektiert, in eine historisch korrekte Abfolge gebracht und aufwendig (auf Zelluloid) gesichert. Die Auswahl ergibt einen wunderbaren Querschnitt durch rund 30 Jahre Werbung im DDR-Kino, auf Zelluloid und Glasdia; viele der Spots sind vermutlich einmalig und in keinem deutschen Archiv überliefert, so eine Szene mit Eberhard Cohrs als Wettergott und Werbeträger für die Sonnencreme Elkasat oder ein Farbfilm mit einer Wiese voller RFT-Transistorradios. Seltenheitswert haben auch einige aufklärende, informierende Kurzfilme, der Aufruf zum 3. Amateurfilmwettbewerb des FDGB 1971 etwa oder die an Bürgerpflichten appellierende Serie "Preisverstoß".

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