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Von der
Freiheit befreit durch den Mord
Tätowierung
Regie: Johannes Schaaf

Der Film
porträtiert den jugendlichen Außenseiter Benno, der, aus
Waisenhäusern und Erziehungsanstalten stammend, von einer
freundlichen Familie adoptiert wird. Der Versuch, den
Jungen in die neue Umgebung zu integrieren misslingt; die
„repressive Toleranz“ der aufgeklärten, gebildeten
Adoptiveltern, die den von einem Job zum nächsten
wechselnden, stehlenden und Schulden machenden Benno
aufdringlich zu verstehen suchen, ist zuviel für ihn:
Plötzlich zieht er seine Pistole und erschießt den
Adoptivvater. Im verlassenen Wilmersdorfer
Hallenschwimmbad, wo er sich „frei schwimmt“, wird
Benno von der Polizei verhaftet.
„Tätowierung“
ist wegen seiner narrativen und filmästhetischen Mittel
ein sehenswertes Beispiel des „Jungen Deutschen Films“
und zugleich ein präzises, psychologisch interessantes
Zeitbild der 60er Jahre.
Trotz der
Schilderung der penetranten Fürsorge werden die Eltern
nicht nur als Klischeefiguren, sondern auch als Menschen,
die zur Freundlichkeit fähig sind, gezeigt. Gleichwohl
erklärt sich der Schuss, mit dem Benno seinen Vater
tötet, als Akt der Befreiung und nicht als Mord oder
Totschlag.
Im wirklichen
Leben erfuhr der Film eine bezeichnende Fortsetzung:
Christof Wackernagel, der den Benno spielt, wurde 1980
wegen dreifachen Mordversuchs und Mitgliedschaft in der
RAF zu 15 Jahren Haft verurteilt.
D
1967 ·
Regie
Johannes Schaaf · Buch Günter Herburger, Johannes
Schaaf · Kamera Wolf Wirth · Musik George
Gruntz · Mit Christof Wackernagel, Helga Anders,
Rosemarie Fendel, Alexander May u.a.
ab 16 · 86’
So 04.06.2000, 18:45 Uhr
Mo 05.06.2000, 18:45 Uhr
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