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Und vor mir die Sterne
»Leute mit dünner Gesichtshaut erröten leicht in
verfänglichen Situationen. Ein probates Mittel sich vor
diesem auffälligen und wiederum peinlichen Farbwechsel zu
schützen ist eine gesunde Gesichts-Grundfarbe, am besten
braun. Logisch, daß man auf diese Weise gerüstet,
langfristig gesehen, eine Selbstsicherheit erlangt, die
das oben beschrieben Phänomen in Vergessenheit geraten
läßt. Die Frage, die sich in diesem Moment aufdrängt
ist: "Hat Rex Gildo etwas zu verbergen?"
Als ich diese Frage in meinem Kölner Stammsolarium
erörtern wollte, gesellten sich zwei Immis (Kölner
Fachbegriff für Zugezogene) an meinem Ibiza-Toaster. Ihr
ausgeprägtes Wissen über die Deutsche Schlagerszene
machte mich stutzig. Sie - Ulrike Franke, 28 - geboren in
Dortmund, hat in Köln Theater-, Film- und
Fernsehwissenschaften studiert, im Rahmen dieses Studiums
einige filmische Projekte realisiert und beim
"Profifilm" gejobbt. Sie stand in dem 2-teiligen
Fernsehfilm Sterne des Südens sogar vor der
Kamera, erkannte aber, dass dies für sie die falsche
Seite ist.
Er - Michael Loeken, 45 - in Neviges geboren, studierte
das selbe, machte 1982 seinen ersten und vorerst einzigen
Dokumentarfilm mit dem Titel: Ich hatte schon begonnen die
Freiheit zu vergessen. Seit 1976 arbeitet er als
Tonassistenten. Zusammen gründeten sie 95 die Filmproduktion
Loeken Franke.
Diese Informationen verrieten mir immer noch nicht,
warum sie so viel über die einzig wahre Szene wussten:
DIE DEUTSCHE SCHLAGERSZENE. Also drängte ich nervös auf
Klärung. "Einen Film hätten sie gedreht über
Renate Kern", war die lapidare Antwort. Da mir
absoluten Schlagerspezialisten dieser Name total
ungeläufig war, schoss mir besagte unerwünschte Farbe
ins Gesicht. Ich zog den Turbobräuner an mich und gab mir
noch mal ordentliche 25 Minuten.

Später stellte sich heraus, das die Kern ja nur
bürgerlich so hieß und in Wirklichkeit DIE Renate
Poggensee war, die bei der ersten ZDF-Hitparade 69 mit
"Lieber mit den Wimpern klimpern" meine Eltern
dermaßen aus dem Fernsehsessel geschüttelt hat, dass ich
an diesem Tag keinen Bissen Mutterkuchen mehr
runterbekommen habe.
Später ging sie mit James Last auf Welttournee und
erfüllte sich ihren Traum vom Eigenheim. Richtig locker
war sie auf der Bühne nie, eine gute Stimme - ja. aber
echt kein Draht zum Publikum. So ging es dann auch
zwangsläufig abwärts. Auch ihre Ehe mit dem Toningenieur
Klaus Hildebrandt erfüllte sie nicht wirklich. Sie
fühlte sich wie ein Dienstmädchen und versuchte ein
Comeback als Countrysängerin. So was hat natürlich
keinen Erfolg. 1990 tingelte sie dann auf einer
Ostseefähre von Helsinki nach Stockholm. 1991 erhängte
sie sich.
Doch Fakten sind in diesem Film gar nicht das
Ausschlaggebende. Das wichtige sind die Emotionen, die der
Deutsche Schlager ausgelöst hat und weiter auslösen
wird. Wie sang Renate so richtig: "Traurig lohnt sich
nicht."« (Oliver Held)
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