Mi 23. November 2005 — 18 Uhr
So 27. November 2005 — 13 UhrFür den
Drei-Schluchten-Damm müssen Millionen Menschen und eine ganze
Kulturlandschaft weichen.
Seit 2003 befindet sich in China der größte Staudamm im Bau,
den die Menschheit je errichtet hat. Bis zum Ende der Bauarbeiten
werden Millionen von Einheimischen umquartiert worden sein, denn
hunderte von Städten und ganze Landstriche werden unter der
Wasseroberfläche verschwinden. Hierzu gehört auch die 50.000
Einwohner Stadt Fenjie.
"Yan Mo - Vor der Flut" ist ein aufwühlendes
Dokument dieser großen Menschenverschiebung. Er blickt auf die
Einzelschicksale und schwelenden Konflikte, die nicht Teil der
offiziellen Berichterstattung sind. Denn die chinesische Regierung
verfährt mit dem Volk nicht anders als mit den wegzuschaufelnden
Landmassen...
Die Regisseure über den Film:
"Bevor wir nach Fengjie fuhren, glaubten viele unserer
Freunde, dass wir mit unserem Film vor allem die Schönheit und
den Geist dieser sogenannten 'Stadt der Poesie' einfangen würden.
Einige der meistrezitierten Gedichte der chinesischen Geschichte
sind hier entstanden, die 'Drei Schluchten' selbst sind ein
Gedicht der Natur, und für die Menschen dort gehört Dichten zum
Alltag. Wir sagten uns: Die Poesie ist von zentraler Bedeutung
für unsere künstlerische Arbeit und wird also das Thema unseres
Films
sein.
Als wir dann aber tatsächlich vor Ort waren, erschien es uns
unmöglich, mit Poesie auf die Tränen eines Kriegsveteranen zu
reagieren oder den Alltag einer Gruppe von Lastenträgern
darzustellen, die dort wie Hunde im Elend lebten. Alle sprachen
immer nur von zu Hause; das Zuhause ist das einzig Wichtige und
das Wertvollste überhaupt. Selbst in der Kirche ging es in jedem
Lied, das erklang, um das Zuhause. Wenn Armut und Arbeitslosigkeit
dominieren, dann werden soziale Gerechtigkeit und Bürgerrechte
oft vergessen."
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