Do 16. Februar 2006 — 18:00 Uhr
So 19. Februar 2006 — 14:00 Uhr
Die Suche nach der wahren Geschichte hinter Sidney Lumets
Psychodrama HUNDSTAGE
An einem heißen Augustnachmittag des Jahres 1972 kommt John
'The Dog' Wojtowicz in eine Brooklyner Filiale der Chase
Manhattan Bank gestürmt und verlangt, mit der Waffe in der Hand,
eine prompte Auszahlung in beträchtlicher Höhe – vergebens.
Denn unerwartet schnell steht die Polizei vor der Bank und
versperrt den Ausgang. Wojtowicz nimmt acht Geiseln. Aus dem
geplanten Expressüberfall wird ein 14-stündiger Nervenkrieg, ein
Spektakel, an dem neben Polizisten und Passanten auch die Medien
teilnehmen und der mit Wojtowiczs Verhaftung endet.
Aus Interviews mit Beteiligten und Archivmaterial rekonstruiert
Walter Stokmanns Film den Banküberfall, der, wenn auch
nicht in die Geschichte, so doch in die Filmgeschichte eingegangen
ist – durch Sidney Lumets 1975 gedrehtes meisterliches
Psychodrama HUNDSTAGE, in dem Al Pacino den ebenso verzweifelten
wie glücklosen Bankräuber verkörperte.
Bei der Gerichtsverhandlung wird John Wojtowicz erklären, er
wollte mit der Beute die Geschlechtsumwandlung seines Liebhabers
Ernie Aaron alias Liz finanzieren und so dessen Leidensweg mit
Selbstmordversuchen und Aufenthalten in der psychiatrischen Klinik
beenden. Das spektakuläre Motiv macht den Fall für die
Massenmedien interessant. Eine TV-Moderatorin lädt Liz in ihre
Talkshow ein – und lässt John anschließend Grüße aus dem
Gefängnis in die Kamera sprechen: "Es war wohl Liebe",
sagt John, "denn Liz war lausig im Bett."
Die Ironie der Geschichte: Erst durch das Geld, das Hollywood
ihr für die Story zahlte, kann sich Liz die Operation leisten –
ihrem Liebhaber ist sie nie mehr begegnet. Liz stirbt 1987 an den
Folgen von Aids. Als Wojtowicz seine Strafe verbüßt hat, kehrt
er nach Brooklyn zurück und zieht in ein Haus, das nur wenige
Häuserblocks vom Ort seines Überfalls entfernt ist. Seither
führt John Wojtowicz ein Leben im Schatten einer filmischen
Erinnerung, die nicht die seine ist. Unter den vielen Augenzeugen,
die sich nach der Tat und aus Anlass ihrer Verfilmung zum Verlauf
des 14-stündigen Geiseldramas äußerten, fehlte bislang
Wojtowicz’ Darstellung. In Walter Stokmans Film bekommt man sie
– wenn auch anders als geplant - erstmals zu hören.
Links
» Offizielle
Filmhomepage [engl.]
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Niederlande 2004 · Regie und
Drehbuch Walter Stokman · Kamera Jackó van't
Hof · Musik Ronald Kool ·
engl. OmU
· 75' |
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