Do 20.07. — 18:15
So 23.07. — 18:15Eine Landschaft und ihre
Bewohner: Volker Koepp (HERR ZWILLING UND FRAU ZUCKERMANN;
SCHATTENLAND) porträtiert einen einzigartigen Landstrich zwischen
zwischen Haff und Ostsee
Wo die Memel durch ein Delta ins Haff mündet, trennt eine
Landzunge Ostsee und Haff: Die Kurische Nehrung, ein
achtundneunzig Kilometer langer Strich Land, der Cranz (Selenogradsk)
im Süden mit Sandkrug (Smiltyne) im Norden verbindet. Vom Ufer
des Haffs bis zum Strand der Ostsee sind es dabei oft nur wenige
hundert Meter. Sturmfluten teilten hin und wieder die Nehrung.
Zwischen Kiefern und Erlen hat der Wind die Wanderdünen vor sich
hergeschoben: Der Sand hat manches Dorf begraben. Sarmatische
Ufer, Baltische Völker und Jahrhunderte deutscher Geschichte.
Bald nach dem ersten Weltkrieg wird die eine Hälfte der Kurischen
Nehrung mit dem Memelland litauisches Staatsgebiet, und nach dem
zweiten Weltkrieg der bis dahin noch deutsche Teil dem russischen
kalinigradskaja oblast, dem Königsberger Gebiet zugeschlagen und
ist für Jahrzehnte unerreichbar.
Volker Koepp und sein Kameramann Thomas Plenert zeigen
eine Landschaft und ihre Bewohner. Wolken treiben über die Dünen
hinaus aufs Meer. Ihre Schatten wandern über den Sand. Der Wind
faucht ins Mikrophon. Die Menschen suchen nach ihrem kleinen
Glück. Die Orte des Films liegen beiderseits der Grenze, zwischen
den Dünen. Nidden, das litauische Nida und Rossitten, russisch:
Rybatschi. Seit dem 19. Jahrhundert wird die Kurische Nehrung und
das Fischerdorf Nidden von Reisenden, Malern und Schriftstellern
entdeckt. Wilhelm von Humboldt, dem ohne die Kurische Nehrung ein
wunderbares Bild in der Seele fehlen würde. Lovis Corinth und Max
Pechstein. Thomas Mann, der sich in Nidden ein Sommerhaus baut.
Nach dem Krieg muß Litauen Sowjetrepublik werden. Doch anders
als im russischen Teil der Nehrung bleiben hier einige Deutsche in
ihren Heimatorten. Menschen wie die Rentnerin Renate, die 1961
einen russischen Matrosen geheiratet hat und in eigensinnig
schönem Deutsch aus ihrem Leben erzählt. In Rossitten werden wie
überall im nördlichen Ostpreussen nach 1945 die
übriggebliebenen Deutschen abtransportiert und verschiedene
Nationalitäten aus der Sowjetunion angesiedelt, wie der russische
Filmvorführer, dem gerade seine Arbeit abhanden gekommen ist oder
der Fischer mit seiner Frau, die verliebt im Gartenlokal sitzen
und sich ein zweites Kind wünschen. Allen gemein ist der trotzige
Optimismus mit dem sie dem Leben entgegentreten. Keine Maske,
sondern der Ausdruck einer Ganzheit von Mensch und
Landschaft.
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D 2001 · Buch und Regie
Volker Koepp · Kamera Thomas Plenert · teilw.
russ./lit. OmU · 92' |
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