Tarnation
Schizophrenie, jugendpsychiatrische
Störungsbilder.
Mi 11.10.06 — 19:00 Uhr

Das Protokoll eines mentalen Teufelskreis,
aus dem der Regisseur frappierenderweise seine Kreativität
gewinnt.
Als Jonathan Caouette in den frühen 80ern im Haus
seiner Großeltern in Texas mit elf Jahren zum ersten Mal vor
einer Super-8-Kamera posiert, ist er grell geschminkt, trägt ein
Kleid und imitiert seine Mutter Renee, ein ehemaliges Kindermodel,
das nach einem Sturz von einem Garagendach mit Elektroschocks
behandelt, von Psychopharmaka abhängig und schizophren
wurde.
Mit Anfang Dreißig montiert Jonathan Caouette mit der Software
seines Apple-Computers die frühen Selbstversuche und weiteres
gesammeltes Material aus seiner Kindheit und seiner eigenen
mentalen Krankheitsgeschichte zu einem eindringlichen, filmischen
Selbstporträt, Tarnation — übersetzt Verdammt — ist ein
Protokoll des Schmerzes: Des Schmerzes, den seine Mutter und
Caouette selbst als Heranwachsender erleben, und des Schmerzes,
der mit der filmischen Aufarbeitung dieser Kindheits- und
Leidengeschichte einhergeht. Er nimmt zu sich eine distanzierte
Haltung ein, bezeichnenderweise wird später bei Caouette ein
Entpersonifizierungs-Syndrom diagnostiziert.
TARNATION · USA 2003 ·
Regie, Buch und Kamera Jonathan Caouette · Schnitt
Jonathan Caouette und Brian A. Kates · Mit Renee
Leblanc, Jonathan Caouette, Adolph Davis, Rosemary Davis, David
Sanin Paz u.v.a. . · ab 16 · engl. OmU · 88'
Links
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