Entfremdungen
Depression, bipolare Erkrankung,
Zwangserkrankungen, Angsterkrankungen
Mi 18.10.06 — 19:00 Uhr

Alltag in der
Psychiatrie eines algerischen Krankenhauses, in dem die von den
Dschinns verursachten Qualen auf das Leid der heutigen Zeit
stoßen.
Ungewöhnlich sensibl, diskret und zugleich höchst intensiv: in
langen geduldigen Beobachtungen und Gesprächen enthüllt der Film
das Bild einer tiefen kulturellen, religiösen, seelischen,
gesellschaftlichen und nicht zuletzt geschlechtsspezifischen
Entfremdung und Zerrissenheit innerhalb der algerischen
Wirklichkeit. Es sind vor allem Frauen, alte und junge,
Bäuerinnen ebenso wie Studentinnen, die am tiefsten leiden und
erkrankt sind durch die Gewalt und die Widersprüche des Systems.
Die behandelnden Ärzte verabreichen Medikamente, hören zu und
lassen rauchen. In ihrem Bemühen, das europäische
Psychiatriesystem zu etablieren, spiegelt sich nicht zuletzt eines
der Zerrissenheitssymptome der einstigen Kolonie: das unversöhnte
Verhältnis zwischen arabischer Philosophie und europäischem
Rationalismus. Die islamische Mythologie hat ihre eigenen
Erklärungen und Behandlungen für mentale Störungen. Bei
Besessenheit durch einen Dschinn wird ein Imam um Exorzismus
gebeten, Frauen mit nervösen Irritationen werden heilenden
rituellen Trancetänzen unterzogen. Die Ärzte suchen nach
ergänzenden Maßnahmen. Bensmaïl, Sohn des Begründer dieser
Psychiatrie in Constantine, hat mit Aliénations einen der
interessantesten Filme über Algerien seit langem geschaffen.
ALIÉNATIONS ·
F/Algerien 2003 · Regie, Drehbuch und Kamera Malik
Bensmail ·
Kamera Hansueli Schenkel · ab 16 · arab. OmU · 105'
Links
» Offizielle
Film-Homepage des Regisseurs auf bensmail.free.fr [franz.]
» Informationen
zum Film auf ausnahmezustand-filmfest.de
» Internet
Movie Database
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