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Wenn die Filme richtig vorgeführt werden, ist das Bild von
"Apocalypse Now" mehr als doppelt so groß wie das der
"Rocky Horror Picture Show". Das Filmmaterial jedoch
ist genau gleich groß und immer noch 35 mm breit.
Dagegen ist bei "Pasolinis Decamerone" das Bild
auf dem Film kleiner als der der "Rocky Horror Picture
Show", auf der Leinwand aber größer.
Die drei genannten Filme entsprechen den drei heute
gebräuchlichen Filmformaten: "Rocky Horror" ist
Normalformat mit dem Bildverhältnis Höhe : Breite 1 : 1,37.
"Decamerone" hat das Breitwandformat mit dem
Bildverhältnis 1 : 1,85. " Apocalypse" wurde in
CinemaScope mit dem Bildverhältnis 1:2,35 gedreht. Inzwischen
gibt es noch ein sogenanntes Zwischenformat
(1 : 1,66).
Viele Kinos projizieren heute jedoch nur noch in zwei
Formaten, dem Zwischenformat und CinemaScope. Das Zwischenformat
wird also anstelle von Normal- und Breitwandformat verwendet.
Das hat den Nachteil, dass der Zuschauer um — manchmal
wesentliche — Teile des Bildes betrogen wird. Zwischen
diesen gebräuchlichen Bildgrößen gibt es in einigen Ländern
noch weitere. Filme, die in einem solch abweichenden Format
gedreht wurden, führen wir, damit das ganze Bild zu sehen ist,
mit der jeweils kleineren Optik vor. Den Nachteil, dass dann auf
der Leinwand oben und unten ein schwarzer Balken zu sehen ist,
nehmen wir in Kauf. Die Alternative wäre nämlich nur die
nächst größere Optik und dann würden Teile des Bildes
abgeschnitten.
Die Teile des Films neben dem Bild (Bildstrich, Tonspur,
Perforation) werden durch sogenannte Masken abgedeckt, die für
jedes Bildformat speziell angefertigt werden. Scope (CinemaScope u.a.) ist ein ganz besonderes Verfahren:
das Bild auf dem Film ist minimal größer als beim Normalformat
und wirkt beim Betrachten verzerrt. Dies wird bei der Aufnahme
mit Spezialisten (Anamorphoten) erreicht. Das Bild wird zur
Mitte zusammen gedrückt: Menschen haben dann ganz lange dünne
Arme und Beine, ovale Köpfe und hagere Rümpfe. Bei der
Vorführung wird dieses verzerrte Bild mit eine entsprechenden
Speziallinse wieder entzerrt und dadurch doppelt so breit.
Das Breitwandformat ist sozusagen das Scope für Billigheimer.
Das Bild ist auf dem Film zwar genauso breit wie das
Normalformat, aber nur etwa halb so hoch und wird einfach
stärker vergrößert projiziert Bei der Filmproduktion ist
dieses Verfahren erheblich billiger als das Scope-Verfahren.
Probleme mit den vielen Formaten hat der Filmvorführer. An
den Kartons, in denen der Film angeliefert wird, steht nämlich
meistens das Format nicht dran. So kann es schon mal zu Pannen
kommen, weil manchmal auch ältere Filme später in ein anderes
Verfahren umkopiert werden.
Quelle:
Filmzeitung der Programmkinos CINEMA und Kurbelkiste in
Münster, Ausgabe Mai - Juli 1980, S. 5.
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