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CineMatrix
Wie kommen die Filme auf die Leinwand?

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Farbe — Im November 1980 wurde in der Filmzeitung der Programmkinos CINEMA und KURBELKISTE in der Reihe 'Kinotechnik' folgender Beitrag zum Thema 'Farbe' veröffentlicht:
Addition

"Weiß", das wissen manche vielleicht noch aus dem Physikunterricht, kann mit Hilfe eines Prismas wieder in das Farbenspektrum zerlegt werden.

"Addierbar" heißt, daß, wenn z.B. rotes Licht und grünes zusammen auf der Leinwand projiziert werden, diese gelb aussieht.

Die Möglichkeit, Farben zu addieren und damit fertige Bilder zu produzieren, hatten schon Ducos du Hauron und Clerk Maxwell entdeckt. Letzterer legte seine Idee bereits 1855 nieder und demonstrierte ihre Anwendung 1861 zum ersten Mal öffentlich. Seine Theorie war der Anfang der sogenannten "additiven" Farbfilmsysteme. Zunächst aber wurden die Filme handcoloriert. Dabei wurde jedes einzelne Bild mit dem Pinsel bemalt. Die Handcolorierung von Filmen hatte keine Zukunft, denn es war 1. keine natürliche Farbwiedergabe und 2. zuviel Arbeit. Das erste praktikable Farbfilmsystem wurde 1906 patentiert. Erfinder war der Engländer George Adam Smith. Der Nachteil aller additiven Farbfilmsysteme: sie erforderten umfangreiche Änderungen an den Projektoren. Daher konnten sie sich auch nicht durchsetzen.

Subtraktion

Es entstanden die "subtraktiven" Systeme. Dabei gab es von Anfang an zwei verschiedene Verfahren, auf denen einerseits das auch heute noch verwendete Technicolor und andererseits Eastmancolor aufbauen.

Zunächst konnten jedoch von den zur Erzielung einer natürlichen Farbwiedergabe nötigen 3 Grundfarben (rot, grün, blau) nur zwei verwendet werden. Das erste grobe Verfahren von Technicolor: zwei jeweils andersfarbige Filmstreifen derselben Szene werden übereinandergeklebt durch den Projektor gejagt.

Cinecolor kommt dagegen dem allen bekannten Verfahren der Farbfotografie schon näher. Der dabei gebrauchte Film hatte auf der einen Seite eine blaugrüne Emulsion, auf der anderen eine orange. Bei der Aufnahme wurde beide Seiten belichtet und durch die Projektion gemischt. Es war ein billiges Verfahren, das auch nach 1935 noch für B-Western eingesetzt wurde, denn es war gut für Himmelsaufnahmen und braungebrannte Gesichter. (Aber für sonst nichts!)

Farbberater

Bis 1935 war Technicolor schon voll ausgereift - aber zu aufwendig, kompliziert und teuer. Zu jeder Produktion schickte die Firma eigens ausgebildete "Farbberater", die die Beleuchtung etc. überwachten. Die Aufnahmen "schoß" eine riesige Kamera, in der nebeneinander drei Filme gleichzeitig abliefen - ein Film jeweils für eine Grundfarbe. Alle drei Filme wurden dann später im Kopierwerk zu einem Film zusammenkopiert. Wegen der wirklich guten Farbwiedergabe war das Firmenzeichen Technicolor schon bald ein Synonym für Farbfilm.

Das später von Technicolor entwickelte "Monopack" verringerte zwar den Aufwand bei den Aufnahmen erheblich - die Arbeit im Kopierwerk war aber immer noch sehr teuer, da für jede Farbe eine eigene Matritze angefertigt werden mußte, was sich nur bei einer großen Anzahl herzustellender Kopien lohnte.

Einfacher, unkomplizierter war das Verfahren, das die Firma Eastman Kodak entwickelt hatte. Sie starteten 1913 mit dem Kodachrome-System, das erst nur für Amateurfilmzwecke benutzt, ab 1923 auch professionell eingesetzt wurde. Bei Kodachrome sind auf einer Seite (der Schichtseite) drei Emulsionen angebracht, die auf jeweils eine der beiden Grundfarben reagieren. Ein ähnliches Verfahren führte Agfa in Deutschland 1930 ein.

Durchbruch

Ab 1952 hatte sich Eastmancolor durchgesetzt und die Produktion von Farbfilmen nahm von da an einen riesigen Aufschwung. Alle heute verwendeten Verfahren sind Ableger von Agfacolor, Eastmancolor und natürlich Technicolor.

Die Einführung des Farbfilms war - ebenso wie beim Ton - zunächst nur Mittel, Publikum zu gewinnen. Farbe als eigenen Stilmittel wurde sträflich vernachlässigt, die Produzenten wollten hauptsächlich bunte Ausstattungsfilme haben, die die Ressourcen des Studios so richtig klarmachen sollten.

Eine Weile wurden dann nur Monumentalschinken in Farbe gedreht und "ernsthafte" Filme in Schwarz-Weiß, weil man glaubte, das farbige Material lenkte die Aufmerksamkeit der Zuschauer ab.

Außerdem sind Schwarzweiß-Filme natürlich billiger und ernsthafte Filme gehen oft schlechter, müssen daher auch billiger produziert werden. Erst Anfang der 60er Jahre hatte sich die Farbe in allen Medien durchgesetzt. Heute werden kaum noch Schwarzweiß-Filme produziert.

Qualität

Für den Kinoeinsatz werden nur wenige optimale Kopien hergestellt, die nur in ganz großen Premierenhäusern zum Einsatz kommen. Der Rest, der dann bei uns z.B. zum Einsatz kommt, ist Massenware, bei der die Originalfarben oft nicht mehr stimmen, bzw. Farben werden projiziert, die sich in der Sequenz verändern, obwohl sich weder die Beleuchtung noch Einstellung geändert haben. Farbfilme verderben auch schneller als Schwarzweißkopien: Die Rottöne werden intensiver, alle übrigen Farben verblassen.

Theoretisch könnte dieser Prozeß durch kühle Lagerung aufgehalten werden; aber da die Filme Geld bringen müssen, sind sie dauernd auf Achse bzw. im Einsatz; "gekühlte" Lagerung ergibt sich dabei nicht mal als Problem.

Quelle:
Filmzeitung der Programmkinos CINEMA und Kurbelkiste in Münster, Ausgabe November 1980, S. 19.