| Addition
"Weiß", das wissen manche
vielleicht noch aus dem Physikunterricht, kann mit Hilfe eines
Prismas wieder in das Farbenspektrum zerlegt werden.
"Addierbar" heißt, daß, wenn z.B. rotes Licht und
grünes zusammen auf der Leinwand projiziert werden, diese gelb
aussieht.
Die Möglichkeit, Farben zu addieren und damit fertige Bilder
zu produzieren, hatten schon Ducos du Hauron und Clerk Maxwell
entdeckt. Letzterer legte seine Idee bereits 1855 nieder und
demonstrierte ihre Anwendung 1861 zum ersten Mal öffentlich.
Seine Theorie war der Anfang der sogenannten "additiven"
Farbfilmsysteme. Zunächst aber wurden die Filme handcoloriert.
Dabei wurde jedes einzelne Bild mit dem Pinsel bemalt. Die
Handcolorierung von Filmen hatte keine Zukunft, denn es war 1.
keine natürliche Farbwiedergabe und 2. zuviel Arbeit. Das erste
praktikable Farbfilmsystem wurde 1906 patentiert. Erfinder war
der Engländer George Adam Smith. Der Nachteil aller additiven
Farbfilmsysteme: sie erforderten umfangreiche Änderungen an den
Projektoren. Daher konnten sie sich auch nicht durchsetzen.

Subtraktion
Es entstanden die "subtraktiven" Systeme. Dabei gab
es von Anfang an zwei verschiedene Verfahren, auf denen
einerseits das auch heute noch verwendete Technicolor und
andererseits Eastmancolor aufbauen.
Zunächst konnten jedoch von den zur Erzielung einer
natürlichen Farbwiedergabe nötigen 3 Grundfarben (rot, grün,
blau) nur zwei verwendet werden. Das erste grobe Verfahren von Technicolor: zwei jeweils andersfarbige Filmstreifen derselben
Szene werden übereinandergeklebt durch den Projektor gejagt.
Cinecolor kommt dagegen dem allen bekannten Verfahren der
Farbfotografie schon näher. Der dabei gebrauchte Film hatte auf
der einen Seite eine blaugrüne Emulsion, auf der anderen eine
orange. Bei der Aufnahme wurde beide Seiten belichtet und durch
die Projektion gemischt. Es war ein billiges Verfahren, das auch
nach 1935 noch für B-Western eingesetzt wurde, denn es war gut
für Himmelsaufnahmen und braungebrannte Gesichter. (Aber für
sonst nichts!)

Farbberater
Bis 1935 war Technicolor schon voll ausgereift - aber zu
aufwendig, kompliziert und teuer. Zu jeder Produktion schickte
die Firma eigens ausgebildete "Farbberater", die die
Beleuchtung etc. überwachten. Die Aufnahmen "schoß"
eine riesige Kamera, in der nebeneinander drei Filme
gleichzeitig abliefen - ein Film jeweils für eine Grundfarbe.
Alle drei Filme wurden dann später im Kopierwerk zu einem Film
zusammenkopiert. Wegen der wirklich guten Farbwiedergabe war das
Firmenzeichen Technicolor schon bald ein Synonym für Farbfilm. |
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Das später von Technicolor entwickelte "Monopack" verringerte zwar den Aufwand bei den Aufnahmen erheblich - die
Arbeit im Kopierwerk war aber immer noch sehr teuer, da für
jede Farbe eine eigene Matritze angefertigt werden mußte, was
sich nur bei einer großen Anzahl herzustellender Kopien lohnte.
Einfacher, unkomplizierter war das
Verfahren, das die Firma Eastman Kodak entwickelt hatte. Sie
starteten 1913 mit dem Kodachrome-System, das erst nur für
Amateurfilmzwecke benutzt, ab 1923 auch professionell eingesetzt
wurde. Bei Kodachrome sind auf einer Seite (der Schichtseite)
drei Emulsionen angebracht, die auf jeweils eine der beiden
Grundfarben reagieren. Ein ähnliches Verfahren führte Agfa in
Deutschland 1930 ein.

Durchbruch
Ab 1952 hatte sich Eastmancolor durchgesetzt und die
Produktion von Farbfilmen nahm von da an einen riesigen
Aufschwung. Alle heute verwendeten Verfahren sind Ableger von Agfacolor, Eastmancolor und natürlich
Technicolor.
Die Einführung des Farbfilms war - ebenso wie beim Ton -
zunächst nur Mittel, Publikum zu gewinnen. Farbe als eigenen
Stilmittel wurde sträflich vernachlässigt, die Produzenten
wollten hauptsächlich bunte Ausstattungsfilme haben, die die
Ressourcen des Studios so richtig klarmachen sollten.
Eine Weile wurden dann nur Monumentalschinken in Farbe
gedreht und "ernsthafte" Filme in Schwarz-Weiß, weil
man glaubte, das farbige Material lenkte die Aufmerksamkeit der
Zuschauer ab.
Außerdem sind Schwarzweiß-Filme natürlich billiger und
ernsthafte Filme gehen oft schlechter, müssen daher auch
billiger produziert werden. Erst Anfang der 60er Jahre hatte
sich die Farbe in allen Medien durchgesetzt. Heute werden kaum
noch Schwarzweiß-Filme produziert.

Qualität
Für den Kinoeinsatz werden nur wenige optimale Kopien
hergestellt, die nur in ganz großen Premierenhäusern zum
Einsatz kommen. Der Rest, der dann bei uns z.B. zum Einsatz
kommt, ist Massenware, bei der die Originalfarben oft nicht mehr
stimmen, bzw. Farben werden projiziert, die sich in der Sequenz
verändern, obwohl sich weder die Beleuchtung noch Einstellung
geändert haben. Farbfilme verderben auch schneller als
Schwarzweißkopien: Die Rottöne werden intensiver, alle
übrigen Farben verblassen.
Theoretisch könnte dieser Prozeß durch kühle Lagerung
aufgehalten werden; aber da die Filme Geld bringen müssen, sind
sie dauernd auf Achse bzw. im Einsatz; "gekühlte"
Lagerung ergibt sich dabei nicht mal als Problem.
Quelle:
Filmzeitung der Programmkinos CINEMA und Kurbelkiste in
Münster, Ausgabe November 1980, S. 19. |