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Wie kommen die Filme ins Kino?

START ... Filmdisposition Anfang der 80er Jahre Filmdisposition heute Altersfreigaben und -empfehlungen ... Die FBW und die Vergnügungssteuer ...
Filmdisposition Anfang der 80er Jahre In der Reihe "Kinotechnik" der Filmzeitung der Programmkinos CINEMA und KURBELKISTE in Münster wurde 1982 der Beitrag "Die Software" veröffentlicht. Der Beitrag geht der Frage nach, warum das Thema Filmdisposition und -beschaffung für kleinere Kinos wie Programmkinos ein nicht gerade einfaches Thema ist.
ensch, spielt doch endlich mal
'Einer flog über das Kuckucksnest', der ist jetzt schon Jahre lang nicht mehr gelaufen! Wollt ihr den nicht, mögt ihr den nicht oder wißt ihr einfach nicht, was gute Filme sind?" — Eine recht oft gestellte Frage an uns [...] Und die Antwort? Wollen wollen wir, mögen tun wir auch und die guten kennt man auch recht gut nach so vielen Jahren Kinogeschäft. Doch können können wir oft nicht. Und damit sind wir bei dem Problem [...]: die Beschaffung der "Software", also der Filme. Wie kommt man die Filme 'ran - oder auch: wieso kommt man an einige / viele nicht ran?
rundsätzlich gilt folgendes: Die
Filme werden nicht gekauft, sondern für jede Aufführung speziell bei Verleihern gemietet. Das kostet dann bei neuen Filmen in der Regel zwischen 40 und 55 Prozent vom Verkauf der Eintrittskarte. Meist werden Garantien auf den Umsatz verlangt. Die Filme werden also von den Verleihern wie von einem Großhändler vertrieben - allerdings immer nur an ein Kino in der betreffenden Stadt.
er Verleih bezieht die Rechte
zum Verleih beim Hersteller (Lizenzgeber). Die Lizenz für einen Film wird normalerweise für ein fest umrissenes Gebiet (z.B. BRD) erteilt. Nach Ablauf dieser Frist hat der Verleih oft eine Option zur Verlängerung. Ob er diese Option in Anspruch nimmt, liegt natürlich daran, wie der geschäftliche Erfolg des Films war. Für die Lizenz zahlt der Verleiher eine Garantiesumme (zwischen 10.000 und mehreren 100.000 DM) und außerdem einen Prozentsatz der von den Filmtheatern erhaltenen Leihmiete. Der Verleiher läßt die nötige Anzahl von Kopien ziehen, Werbematerial anfertigen (Plakate, Fotos, Trailer = Voranzeigefilme, Dias, Pressematerial). Bei "größeren" Filmen — wie "Krieg der Sterne" — macht der Verleiher eine eigene überregionale Werbekampagne.
anach sollen sich dann Publikum
und Kinobesitzer um den Film reißen — bei den Verhandlungen mit den Kinobesitzern geht es dann nur noch um eine verbindliche, möglichst lange Spielzeit de Films und um das Problem, welches Kino am Ort welchen Film bekommen wird. Am liebsten vermittelt der Verleiher an eine Kinokette, dann hat er auf einen Schlag mehrere Kinos mit entsprechenden Einnahmen unter Vertrag.
Oder er versucht, die "stärksten" Kinobesitzer für seine Filme zu begeistern. Das sind die Filmtheaterbesitzer, die örtlich die meisten Kinos oder die Kinos mit dem höchsten Umsatz besitzen. Die bekommen dann die Exclusivrechte für den jeweiligen Film. In der Praxis sieht es dann noch so aus, daß die erfolgversprechenden Filme sofort noch für spätere Einsätze vom Erstaufführungstheater reserviert werden, so daß die anderen Kinos — auch wenn der Film in absehbarer Zeit nicht wieder eingesetzt wird, nicht spielen dürfen. Oft sind die Filmverleiher auch an der Produktion eines Films direkt oder indirekt beteiligt. Sie haben also sowohl auf die Abspielsituation (die Vermarktung eines Films) als auch auf die marktgerechte Produktion einen erheblichen Einfluß. [...]
inmal oder zweimal im Jahr stellt
nun der Verleih eine sogenannte 'Staffel' zusammen, d.h. eine Anzahl von Filmen, unter denen sich meist eine Perle befindet. Diesen Renner bekommt man dann nur, wenn man die Flops auch kauft. Die Filme werden also häufig als Staffel vermietet. Die gedankliche Leistung der Kinobesitzer liegt also nicht mehr in einer inhaltlichen Filmauswahl, sondern in einer rein zeitlichen: er muß entscheiden, wann und wo welcher Film am besten einzusetzen ist. [...]
amit wären wir beim Programm
machen: Hat man ein Monatsprogramm zusammengestellt, sucht man raus, über welchen Verleiher man an welchen Film kommt. Leider werden schon viele gute Filme einfach nicht mehr verliehen, weil sie neueren Platz machen müssen. Aber auch an die Verfügbaren kommen wir oft nicht ran, weil sie durch andere, — meist größere Erstaufführungskinos — für lange Zeit reserviert wurden. Als Ausweichmöglichkeit bleibt noch der nichtkommerzielle 16-mm-Schmalfilmmarkt, der aber oft nur die nichtgewerblichen Rechte hat, also nicht an gewerbliche Kinos verleihen darf. So sieht das endgültige Monatsprogramm also meist anders aus als das anfangs geplante [...]
Quelle:
Filmzeitung der Programmkinos CINEMA und KURBELKISTE in Münster, Mai 1982, S. 2 basierend auf einen Artikel in der Programmzeitung des Kinos Harmonie, Frankfurt.